Beziehungen auf dem Corona-Prüfstand

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Es ist hart dieser Tage: Die nun doch schon lang andauernde Pandemie schlägt uns aufs Gemüt. Erkrankte in unserem engsten Verwandten- und Bekanntenkreis, finanzielle Sorgen, Arbeitslosigkeit und die zunehmende psychische Belastung unserer Kinder sind zu alltäglichen Stressfaktoren geworden.

Wir sehen uns einer großen Herausforderung gegenüber. Eine gute Beziehung zu führen ist schon in normalen Lebensphasen kein Kinderspiel. Ein renommierter deutscher Psychotherapeut spricht klar aus, was viele denken: Die Corona-Pandemie ist oft der letzte Keulenschlag für Paare.

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Auf brüchigem Fundament
Beziehungsforscher gehen davon aus, dass unglückliche Beziehungen eigentlich als “normal” galten und schon bis in die Urzeiten unseres Daseins zurückreichen. Wir erwachen gerade erst von einem sehr langen Dornröschenschlaf, indem wir damit anfangen, belastende Beziehungsthemen in Frage zu stellen. In grauer Vorzeit waren Beziehungsverbände Überlebensnotwendig. Doch der Säbelzahntiger ist ausgestorben, und die Kette der modernen Frau reicht längst weiter, als bis in den Keller zu den Bierfässern… . Soll heißen: Wir haben eine gewisse Unabhängigkeit erreicht, in der es nicht mehr notwendig ist, Gewalt oder Missbrauch in einer Beziehung stillschweigend zu dulden. Wir dürfen uns aufrichtig fragen, ob wir weiterhin an einer Beziehung mittragen möchten, die uns Schmerz und Kummer bereitet. Natürlich: Krisen gibt es in jeder Partnerschaft – sie gehören dazu. Steht diese jedoch auf einem stabilen Fundament, getragen von gegenseitiger Achtung und Wertschätzung, wird dieser Sturm vorüberziehen. Wenn aber nur Drama, Geringschätzung oder gar Gewalt vorherrscht, kann es nicht gesund sein, weiter daran festzuhalten.

Sich selbst neu entdecken
Erkennt man das “Giftige” in der eigenen Beziehung, ist schon ein großer Schritt getan. Viele laufen vor dieser Erkenntnis aber jahrelang davon, um nicht die Verantwortung für ihr eigenes Leben übernehmen zu müssen. Sich einzugestehen, dass vieles sehr schief läuft und man bereits sein Bestes gegeben hat, um das zu ändern, ist bitter. Aber: Wir haben nur dieses eine Leben und wer die Verantwortung dafür abgibt, muss sich nicht wundern, wenn er verletzt wird. Wagen wir doch den Schritt hinaus aus diesem ewigen Drama. Was uns erwartet, wirkt anfänglich vielleicht bedrohlich, weil wir lange Zeit in einem zerstörerischen Kreislauf gefangen waren. Doch gerade die Pandemie zeigt uns jetzt ganz deutlich, ob die Beziehung eine gute ist, oder ob es höchste Zeit ist, sein Leben wieder in die eigene Hand zu nehmen. Ergreifen wir die Chance dieser weltweiten Krise und kehren wir zurück zu uns selbst. Spüren wir wieder die eigenen Bedürfnisse und freuen wir uns in kindlicher Offenheit über die Kleinigkeiten des Lebens. Entdecken wir uns neu. Zum Schluss noch ein schönes Zitat: “Ich schulde mir selbst wohl die größte Vergebung dafür, dass ich mich Dinge ertragen ließ, die ich nicht verdient habe.” (Verfasser unbekannt)