Cannabis – Rauschzustand und Realität

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In Zukunft sollen Erwachsene legal Cannabis konsumieren dürfen, allerdings ist noch völlig unklar, wie dies in die Praxis umgesetzt wird. Seit Jahrzehnten gibt es in Bezug auf das Rauchen von Cannabis geteilte Meinungen und auf jeden Fall zwei verschiedene Sichtweisen.

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Die Erste lautet wie folgt:

Es ist ein Genuss Cannabis zu rauchen, genauso wie ein Glas Wein zu trinken oder eine gute Zigarre zu rauchen, man wird ruhig und entspannt. Ganz normale Leute geben sich täglich am Abend dem Cannabis hin, um abzuschalten und den Alltag zu vergessen.

Die Zweite lautet:

Cannabis rauchen berauscht und kann im schlimmsten Fall Psychosen verursachen. Insbesondere Jugendliche sollen geschützt werden, da es sich angeblich um eine Einstiegsdroge handelt.

Tatsächlich treffen beide Aussagen zu, jedoch ist zu befürchten, dass sie nicht zu vereinen sind.

Unsere Regierung SPD, FDP und Grüne haben Ende des letzten Jahres beschlossen, in naher Zukunft zu Genusszwecken Cannabis an Erwachsene kontrolliert abzugeben. Erwerben kann man den Cannabis dann nur in lizenzierten Geschäften. Damit soll die Weitergabe von verunreinigten Substanzen verhindert und die Qualität besser kontrolliert werden.

Somit ist das ein kompletter Wechsel der Drogenpolitik, denn bislang war der Erwerb, Handel, Besitz und Anbau von Cannabis laut dem Betäubungsmittelgesetz strafbar. Jetzt steht die Cannabis-Ampel auf Grün und zahlreiche Befürworter wollen auf die Pedale drücken, andere wollen am liebsten gar nicht losfahren oder zumindest mit Handbremse.

Fest steht, dass jährlich zahlreiche Kinder und Jugendliche ambulant behandelt oder sogar stationär aufgenommen werden, weil sie an Antriebslosigkeit und Lernstörungen leiden und sich dissozial verhalten. Alles Symptome einer Cannabis-Sucht, die bereits fortgeschritten ist.

Insbesondere gefährdet sind natürlich psychisch vorbelastete Kinder und Jugendliche, sie entwickeln am ehesten eine Abhängigkeit. Hauptsächlich gefährdet sind die Unverstandenen, die Depressiven, die, die von Ängsten geplagt werden. Sie rauchen Gras und fühlen sich entspannt, locker und sind nicht mehr ängstlich.

Erwiesen ist:

Wer ein paarmal Cannabis raucht, nur um dazuzugehören, der wird damit auch wieder aufhören und man wird auch nicht zwangsläufig süchtig, wenn man Cannabis regelmäßig raucht. Von den 12- bis 17-Jährigen hat laut einer Studie jeder Zehnte bereits einmal Cannabis geraucht und 1,6 Prozent rauchen regelmäßig. Bei den Erwachsenen im jungen Alter sind es 6,9 Prozent, die regelmäßig zum Joint greifen.

Fest steht: Das Gehirn Heranwachsender, kann durch starken Cannabis Konsum geschädigt werden, weil unser Hirn erst ab dem Alter von 25 Jahren komplett ausgereift ist. Das in Cannabis enthaltene THC Cannabinoid verursacht nicht nur den Zustand des Rausches, es kann auf lange Sicht hin auch psychoaktiv wirken. Des Weiteren könnten sich bei Jugendlichen die Hirnstrukturen und die Arbeitsweise des Gehirns verändern. Andere Studien bringen auch dauerhaftes Kiffen mit wenig Erfolg in der Weiterbildung in Zusammenhang.

Aus diesen Gründen haben wohl auch die Kinder- und Jugendmediziner, sowie die Kinder- und Jugendpsychiater Ende 2020 Position gegen die Legalisierung eingenommen. In vielen Ländern, in den Cannabis bereits legalisiert ist, bleibt die Einhaltung des bestmöglichen Jugendschutzes eine Illusion, denn der Konsum bei Erwachsenen ist gestiegen, genauso wie die Suchtgefahr bei den Jugendlichen.

Negativ insbesondere für Jugendliche ist auch der Erwerb von Cannabis, denn dadurch werden junge Menschen in das Strafrecht gezogen, wo sie eigentlich nicht hingehören. Durch den regelmäßigen Kontakt mit Drogendealern werden die Jugendlichen automatisch in kriminelle Szenen mit ein bezogen.

Soll deshalb Cannabis entkriminalisiert werden?

Wie soll die Kontrolle aufgebaut werden? Wer prüft die Herstellung und Qualität? Wer sorgt für Vertrieb und Verkauf? Gute Beispiele vom Ausland, welche wir übernehmen könnten, gibt es auch nicht. Mit der Legalisierung soll auch nicht das Bewusstsein entstehen, dass Kiffen doch wohl harmlos sei.

Eigentlich müsste die Politik ja dafür sorgen, dass der Konsum von Cannabis bei Kindern und Jugendlichen verhindert wird und hier wäre auch eine bessere Aufklärung notwendig. Wird stattdessen jetzt legaler Cannabis Konsum zur neuen Steuereinnahme? Nicht, wenn man die Gelder sofort in die erforderlichen Maßnahmen steckt.

Befürworter der Entkriminalisierung von Cannabis teilen die Meinung, dass die Kosten für Strafverfolgung durch die Legalisierung erheblich sinken wird. Dadurch kann viel Geld gespart werden, da es sich hier um fast 200.000 Anzeigen pro Jahr handelt. Gleichzeitig würde der Schwarzmarkt erheblich schrumpfen und es wäre weniger verunreinigtes Cannabis auf dem Markt.

Seit 2017 werden einige schwere Krankheiten unter hohen gesetzlichen Auflagen mit medizinischem Cannabis behandelt. Auch bei chronischen Schmerzen kam es durch eine regelmäßige Cannabis-Therapie zu ergebnisreichen Krankheitsverläufen.

Am häufigsten wird Cannabis bei chronischen Schmerzen verschrieben, das betrifft dreiviertel Prozent aller Fälle. Die Therapie verbesserte sich wahrnehmbar bei 34 Prozent der Patientinnen und Patienten, bei 38 Prozent gemäßigt und über ein Drittel hat die Therapie wegen zu geringer Wirkung oder wegen Nebenwirkungen innerhalb eines Jahres abgebrochen.