Wer kann sich nicht gegen Corona impfen lassen?

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Immer wieder ist die Rede vom Schutz der Menschen, die sich nicht impfen lassen können. Nicht zuletzt behaupten einige Ungeimpfte von sich selbst, dass sie sich nicht impfen lassen könnten. Tatsächlich ist das zwar oft, aber nicht grundsätzlich eine Ausrede. Denn die Gruppe der Personen, die nicht geimpft werden kann, ist zwar extrem klein, aber es gibt sie. Für wen das gilt, lesen Sie hier.

Kein Risiko in der Schwangerschaft

Auch, eigentlich sogar gerade in der Schwangerschaft ist eine Impfung wichtig. Es wird gelegentlich empfohlen, sich nicht im ersten Trimester immunisieren zu lassen, dabei handelt es sich jedoch um eine reine Vorsichtsmaßnahme – Komplikationen wurden bislang auch in dieser Zeit nicht beobachtet. Umgekehrt ist die Gefahr durch Corona für Schwangere und ihre ungeborenen Kinder enorm hoch. In den ersten Monaten erhöht die Infektion das Risiko einer Fehl-, später einer Totgeburt. Laut einer britischen Studie haben Schwangere selbst ein 20-fach höheres Risiko, im Falle einer Coronainfektion zu sterben, als gleichaltrige Frauen. In einigen Fällen sehr fortgeschrittener Schwangerschaften kann das ungeborene Kind gerettet werden, in anderen jedoch nicht.

Allergie ist nicht gleich Allergie

Manche Menschen befürchten, bei einer Impfung eine schwere allergische Reaktion, einen sogenannten anaphylaktischen Schock zu erleiden. Diese Reaktion ist ausgesprochen selten, kommt jedoch vor. Wer zuvor schon einmal eine derart heftige Nebenwirkung bei einer Impfung beobachtet hat, sollte sich vorher mit seinem Arzt beraten. Denn die mit Abstand meisten Unverträglichkeiten beruhen auf dem Einsatz von Hühnereiweiß in Impfstoffen, ein kleinerer Teil auf den verwendeten Wirkverstärkern und Aluminiumsalzen. Auf alle diese Substanzen wurde bei der Entwicklung sämtlicher zurzeit zugelassener Corona-Impfstoffe verzichtet, um eine maximale Verträglichkeit zu gewährleisten. Für andere Betroffene, beispielsweise mit Allergien gegen Pollen, Staub oder Tierhaare, sind Impfungen ohnehin unbedenklich. Ängstliche Personen warten nach dem Pieks am besten 15-20 Minuten in Sichtweite medizinischen Personals ab.

Chemotherapie

Eine Chemotherapie spricht zwar nicht gegen eine Impfung, allerdings ist die Immunantwort unter Umständen wenig bis gar nicht ausgeprägt, sodass kein Impfschutz entsteht. Insbesondere bei hoch dosierten Chemotherapien ist es daher angeraten, sich vorher oder nachher impfen zu lassen und währenddessen so gut wie möglich zu isolieren.

Seltene Erkrankungen

Einige seltene Erkrankungen erschweren die Impfung erheblich. Hierzu gehören spezielle Blutgerinnungs- und Gefäßerkrankungen sowie solche, die mit sehr starken Blutverdünnern behandelt werden. In diesen Fällen ist eine Impfung zwar nicht immer unmöglich, aber riskant und sollte daher von einem Spezialisten vorgenommen werden. Durch Maßnahmen wie Medikamente, Kühlung der Einstichstelle oder Druck kann die Immunisierung allerdings trotzdem häufig erfolgen. Denn zu bedenken ist, dass diese Faktoren auch eine Behandlung von Corona extrem verkomplizieren und die Betroffenen zumeist zur Hochrisikogruppe gehören.

Psychische Erkrankung

Eine Gruppe, die in der Öffentlichkeit oft unsichtbar bleibt, sind Personen mit schweren Angsterkrankungen. Tatsächlich kann die Angst vor Nadeln oder Substanzen eine Impfung verhindern. Vielen Angstpatienten gelingt es zwar – wenn auch oft unter erheblichen Qualen –, ihrer Phobie für den kurzen Zeitraum der Impfung Herr zu werden, doch das gilt nicht für alle. Die Phobie kann Ausmaße annehmen, die beim Versuch einer Impfung sogar zum Kreislaufkollaps führen. Im Gegensatz zu echten Impfgegnern ist der Leidensdruck dabei erheblich, da sich Betroffene der Gefahren durch Corona sehr wohl bewusst sind. Aufforderungen, sich „nicht anzustellen“ oder Verständnislosigkeit erschweren die Situation noch, da Angstpatienten ihre Phobie kaum beeinflussen können. Bei mittelschwer Betroffenen kann es kurzfristig hilfreich sein, wenn sich der impfende Arzt viel Zeit für ein Gespräch nimmt, um herauszufinden, was dem Patient oder der Patientin helfen kann. Manchmal ist ein zusätzliches, kurz wirksames Beruhigungsmittel ausreichend. In jedem Fall sollte die Phobie ernst genommen und nicht als unnötige Empfindlichkeit abgetan werden. Eine Therapie kann mittelfristig helfen, benötigt jedoch Monate bis Jahre und schlägt nicht bei jedem Betroffenen gleichermaßen an. Langfristig sind nadellose Injektionssysteme von Vorteil, an denen zurzeit allerdings nur schleppend geforscht wird.

Fazit

Aufgrund der sehr sicheren Impfstoffe und in Abwägung des oftmals erhöhten Risikos bei einer Coronainfektion gibt es zurzeit nahezu keine Menschen, die sich dauerhaft nicht impfen lassen können. Es ist jedoch durchaus möglich, dass für die Impfung ein besonderer Zeitpunkt oder besondere Vorkehrungen notwendig sind. Wenn Sie betroffen sind oder sich Sorgen machen, lassen Sie sich unbedingt beraten. Das Prinzip der Solidarität ist nichtsdestotrotz enorm wichtig – für alle, bei denen der Impfschutz aufgrund von Alter oder Erkrankung weniger ausgeprägt ist und die deshalb trotz Immunisierung besonders gefährdet sind.