Mikroorganismen steuern unser Leben – Endogene Flora im Fokus der Forschung

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Mikroorganismen wie Viren, Bakterien, Hefen, Pilzen und weiteren Einzellern begegnen uns überall im Leben. Auch als „böse“ Erreger von Infektionskrankheiten oder als tödlicher Teil von biologischen Massenvernichtungswaffen, den Biowaffen. In ihrer Mehrheit sind sie jedoch nützlicher Teil der natürlichen Mikroflora oder finden als Probiotika Verwendung.

Selbst als Produzenten biotechnologisch hergestellter Arzneimittel wie Insulin, Blutgerinnungsfaktoren, Neuropeptiden und vielen anderen sind sie von höchstem Nutzen für uns und Teil des medizinischen Fortschritts. Sogar als Blaualgen begegnen sie uns, wenn im Sommer Flüsse und Badeseen zu warm werden und Bakterien wie auch Algen ideale Lebensbedingungen bieten. Die ganze Vielfalt der Mikroorganismen lebt in uns, auf uns und tritt mit uns, ihrem Wirt, zum wechselseitigen Nutzen permanent in Beziehung, positiv wie auch negativ. Eine weltweit organisierte Forschungsinitiative, das Human Microbiome Project hatte sich zur Aufgabe gemacht, die Welt der Mikroorganismen in uns zu erforschen.

Human Microbiome Project erforscht wechselseitige Beziehungen

Mit Entdeckung und Erforschung der als Mikrobiom bezeichneten Welt von Mikroorganismen, die praktisch alle Körperregionen des Menschen besiedeln, wurde klar, welche Bedeutung diese Kleinstlebewesen für unsere körperliche wie auch geistige Entwicklung und Gesundheit haben. Dass sie bei der Verwertung von Nahrungsmitteln helfen und Vitamine wie auch Hormone und Neurotransmitter produzieren, kann von Lebewesen in unserem Darm erwartet werden. Dass sie weit darüber hinaus aber auch für unsere seelische wie auch körperliche Entwicklung mitentscheidend sind und zudem auch chronische Erkrankungen triggern können, ist nicht unbedingt zu erwarten. Doch genau das ist der Fall, wie wichtige Forschungsarbeiten der letzten Jahre zeigen. Um das menschliche Mikrobiom in allen seinen Facetten genau zu erforschen, wurde vor einigen Jahren mit dem “Human Microbiome Project” (HMP) eine weltweite Forschungsinitiative gegründet. Dabei ging es im Wesentlichen um die Frage, ob und wenn ja welche Veränderungen im Mikrobiom des Menschen sich auf Gesundheit und Krankheit von Betroffenen auswirken können. Fakt ist, dass sich das Mikrobiom eines Gesunden, von dem eines Kranken erheblich unterscheidet. So haben Menschen mit Morbus-Crohn, Diabetes, multipler Sklerose, Allergien oder Depressionen jeweils eine anders zusammengesetzte mikrobielle Flora als gesunde Vergleichspersonen. Wenn diese veränderte Zusammensetzung des Mikrobioms Ursache und nicht nur Folge der Erkrankung wäre, dann müsste die Erkrankung durch den Austausch der kranken Flora gegen eine gesunde geheilt werden können. So die logische Schlussfolgerung.

Unterschiede im Mikrobiom von Gesunden und Kranken

Voraussetzung wäre allerdings, dass die Zusammensetzung des gesunden Mikrobioms bekannt wäre. Das ist noch nicht in allen Einzelheiten der Fall. Doch im Rahmen des „Human Microbiome Projects“ wurde und wird von vielen Forschern daran gearbeitet, diese Wissenslücke zu schließen. In experimentellen Studien mit Mäusen ist es den Forschern zudem gelungen, Fettleibigkeit der Tiere durch die Transplantation der Darmflora schlanker Tiere zu heilen. Soweit ist man beim Menschen noch nicht. Beim Menschen kann man gefährliche Darminfektionen, die durch das Bakterium Clostridium difficile verursacht werden, schon heute durch den Transfer gesunder Mikroflora heilen. Selbst psychische Erkrankungen wie Autismus können durch den Transfer von Mikroflora gesunder Menschen nachhaltig gebessert werden. Die bei weitem noch nicht vollständig erforschten Wechselwirkungen zwischen Mikrobiom und neuronaler-psychischer Gesundheit des Menschen zeigen auf, welches therapeutische Potenzial die gezielte Beeinflussung des Mikrobioms einmal haben könnte.

Fazit: Die endogene Mikroflora ist für eine gesunde Entwicklung des Menschen von hoher Bedeutung. Zukünftig erscheint es durch gezielte Veränderungen der Mikroflora möglich, Krankheiten zu heilen und zu verhindern. Dazu gehören nicht nur Erkrankungen des Darms, sondern auch psychische Beeinträchtigungen und Erkrankungen.