Infos rund um Rheumaerkrankungen

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Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1 – Wie viele Personen sind in Deutschland davon betroffen und auch weltweit?

Kapitel 2 – Seit wann ist Rheuma bekannt und wer hat es entdeckt?

Kapitel 3 – Was ist Rheuma genau und was passiert bei Rheuma?

Kapitel 4 – Charakterisierende Symptome bei Rheuma

Kapitel 5 – Ursachen für Rheuma

Kapitel 6 – Behandlungsmöglichkeiten

Kapitel 7 – Sport und Rheuma – passt das zusammen?

Kapitel 8 – Ernährung bei Rheuma

Kapitel 9 – Lifestyle – Leben mit Rheuma 

Vorwort

Rheumatismus ist für in Deutschland lebende, geschätzte 20 Million Menschen ein unschöner Begleiter. Sie leiden unter einer von bis zu 300 verschiedenen Arten von Rheuma. Medizinisch gesehen handelt es sich um eine Erkrankung des Bewegungsapparates, die in vielen Fällen chronischen Charakter haben. 

In diesem Ratgeber werden Themen aufgegriffen, die wissenschaftlichen und informativen Charakter haben, aber auch Bereiche ansprechen, die die Betroffenen oft im Alltag erleben. 

Kapitel 1

Wie viele Personen sind in Deutschland davon betroffen und auch weltweit?

Unter dem Überbegriff „Rheuma“ werden Krankheiten beschrieben, die vorwiegend an dem Bewegungsapparat in Erscheinung treten und mit starken Schmerzen einhergehen. 

In Deutschland leben etwa 10 bis 20 Millionen Menschen, die unter einer Art von Rheuma leiden. 

Es handelt sich hierbei um medizinisch eindeutig belegte Erkrankungen des Bewegungsapparates, die meist schon chronisch sind. Zu unterscheiden ist zwischen der charakteristischen Arthrose, an der geschätzt 1,5 bis 2 Millionen Menschen leiden und der entzündlichen rheumatischen Arthrose, die bei ungefähr 2 Prozent der deutschen Bevölkerung vorkommt. 

Erkrankungen der Skelettmuskeln ist das wesentlichste Merkmal, begleitet von andauernden Schmerzen. Studien haben ergeben, dass gut ein Viertel der deutschen Einwohner an einer Einschränkung des Bewegungsapparates leiden. Dauerhafte und scherzhafte Rückenschmerzen liegen bei ca. 7 Millionen Bewohnern vor. Die Neuerkrankungsrate liegt bei ca. 23.000 Menschen jährlich. Nicht zu vergessen ist die hohe Anzahl der betroffenen Kinder, die bei 20.000 liegt. 

Auftretende Häufigkeit

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts hat das rheumatische Fieber (akuter Rheumatismus) als Todesursache im Jugendalter eine große Rolle gespielt. Heute gehören die chronischen, rheumatischen Krankheiten in allen Industriestaaten zu den häufigsten Ursachen von Arbeitsunfähigkeit und Invalidität. Die rheumatoide Arthritis befällt 1-3 Prozent aller Erwachsenen, vom 50. Jahr an steigt ihre Häufigkeit auf über 5 Prozent. Degenerative Gelenk- und Wirbelsäulen-krankheiten sind wesentlich verbreiteter. In körperlich schwer arbeitende Bevölkerungsgruppen leiden 30-50 Prozent an nennenswerten Beschwerden durch degenerative Gelenk- und Wirbelsäulenkrankheiten, während röntgenologisch bei 100 Prozent der über 55jährigen Arthrosen nachweisbar sind. 

Die sozial-ökonomische Bedeutung dieser Krankheiten ist daher groß. Bei den Versicherten der Ortskrankenkassen der Bundesrepublik Deutschland gehen 10-15 Prozent aller Fälle von Arbeitsunfähigkeit zu Lasten rheumatischer Erkrankungen, entzündliche und degenerative Gelenkerkrankungen stehen neben den Kreislaufkrankheiten an der Spitze der Gesundheitsstörungen, die zu Rehabilitationsverfahren der Rentenversicherungen führen. 

Die chronisch-entzündlichen rheumatischen Krankheiten führen oft zu vorzeitiger Erwerbsunfähigkeit und stellen damit unter anderem auch eine schwere psychische Belastung für den Patienten dar. 

Im Normalfall werden meist Menschen im fortgeschrittenen Alter krank, dennoch leiden auch immer mehr Kinder und Jugendliche an Rheuma, besonders an Arthritis. 

Kapitel 2

Seit wann ist Rheuma bekannt und wer hat es entdeckt?

Schon Hippokrates erkannte Krankheitsanzeichen die dem rheumatischen Fieber ähnelten und konnte differenzieren zwischen einer Autoimmunerkrankungen und einer Gichterkrankungen. 

In der Literatur finden sich die Namen von Augustin Jakob Landrè-Beauvais (1800), William Heberden (1802) und Jean-Martin Charcot (1852) allesamt Ärzte, die jeweils eine Form des Rheumatismus beschrieben haben. 

In früheren Zeiten eingesetzte Rheumapräparate finden heute noch ihre Anwendung, wie beispielsweise Goldpräparate oder aus der Phytotherapie die Herbstzeitlose. Erst Mitte der 1940er Jahre wurde erstmalig gegen eine chronische Gelenkentzündung Kortison sowie D-Penicillamin verwendet. Im 19. Jahrhundert wurden noch Rinden von dem Weidenbaum gebraucht, da die Rinde Salicylsäure enthielt. Bis dann 1900 die Acetylsalicylsäure eingeführt und als „das Mittel“ verwendet wurde. 

Kapitel 3

Was ist Rheuma genau und was passiert bei Rheuma? 

Ein Großteil der Bevölkerung ist heute immer noch der Meinung, dass Rheuma nur „alte“ Menschen betrifft, die ja immer „mit gekrümmtem Rücken gehen und schiefe Finger haben“. Beschrieben ist hier die Arthrose, der altersbedingte Gelenkverschleiß, der nicht unbedingt zu den Erkrankungen des Rheumatismus zählt. 

Rheuma an sich ist gar keine Krankheit, sondern vielmehr ein Oberbegriff, unter dem sich eine Vielzahl von verschiedenartigen Krankheitsbildern verstecken. Was die meisten Krankheitsbilder verbindet sind Gelenkschmerzen und Muskelerkrankungen. Die Polymyalgia rheumatica (rheumatischer Mehrmuskelschmerz) bildet sich wahrhaftig erst im fortgeschritten Alter aus. Viele rheumatische Erkrankungen finden ihren Anfang in der Lebensmitte, manche auch früher, im Jungendalter. 

Einige Menschen denken auch, dass Rheumatismus gar nicht so schmerzhaft ist. Dies ist natürlich nicht der Fall. Ganz im Gegenteil. Wird beispielsweise eine Entzündung der Blutgefäße nicht behandelt, kann dies auch tödlich enden, da im Grunde sämtliche Organe betroffen sind. Selbst die herkömmliche rheumatoide Arthritis bezieht sich nicht nur auf die Gelenke. Auch hier gilt: wird sie nicht oder nur mangelhaft behandelt, kann sie aufgrund des steigenden Herz-Kreislauf-Risikos die Lebensjahre verkürzen. 

Die Krankheit ist gekennzeichnete durch viele Symptome. Auch Krankheitszeichen, die nicht unbedingt Rheumatismus zugeordnet werden, sind mitunter erste Anzeichen von einem Krankheitsbild des Rheumas. Ist man bei anhaltenden Beschwerden verunsichert, wie zum Beispiel bei ständig trockenen Schleimhäuten oder entzündete Augen, sollte zur Abklärung ein Rheumatologe oder Internist aufgesucht werden. 

In der heutigen Medizin werden nahezu bis zu 300 verschiedenartige Formen des Rheumatismus beschrieben. Das Wort „Rheuma“ hat seinen Ursprung im Griechischen und meint: ziehender, reißender Schmerz. Die Schmerzhaftigkeit dieser Erkrankung erleben täglich viele Patienten – leider zählen hierzu nicht nur ältere Generationen, sonder auch Kinder kann Rheuma befallen. 

Eine „juvenile idiopathische Arthritis“ ist Kinder- und Jugendrheuma, deren Formen sich zu denen der Erwachsenen unterscheiden. Diese spezielle Form äußert sich bei Kindern das mehrere Gelenke entzündet, angeschwollen und warm sind. Mögliche, einhergehende Symptome, die im Alter von ca. 15 Jahren beginnen und wenigsten über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen andauern, können Hinweis auf die JIA (juvenile idiopathische Arthritis) sein. Die Kinder haben Schmerzen und die Bewegungen sind eingeschränkt. Speziallisten sind Kinderrheumatologen, die bei rechtzeitiger Erkennung mit entsprechenden Behandlungen der Krankheit entgegenwirken können um so langwierige Schädigungen an Gelenken vorzubeugen. 

Rheumatismus muss nicht nur das Skelett mit seinen Gelenken, Knochen und Knorpeln betreffen, vielmehr kann es auch die beweglichen Körperteile wie Bänder, Sehnen und die Muskulatur befallen. Weichteilrheumatismus, sogenanntes „Fibromyalgie“ ist besonders bekannt. Andere Formen des Rheumatismus sind Dermatomyositis, Lupus erythematodes oder Riesenzellarteriitis. 

Die meisten Körperteile können von einer Autoimmunerkrankungen betroffen sein. Die häufigste chronische Gelenkentzündung ist die rheumatoide Arthritis

Die weit verbreitetste rheumatische Erkrankung ist die rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis). Die rheumatoide Arthritis (chronische Gelenkentzündung) gehört leider zu den gängigsten Erkrankungen in Deutschland. Hervorgerufen wird sie durch eine chronische Entzündung der Innenhaut in den Gelenken, aufgrund einer Störung im Immunsystem. Eine Heilung ist nicht möglich, sie kann aber bei rechtzeitiger Entdeckung im Anfangsstadium zumindest eingedämmt oder die Gelenkentzündung sogar aufgehalten werden. 

Viele Menschen leiden unter Rheuma, doch wie genau definiert man Rheuma? 

Unter Rheuma versteht man Erkrankungen, die mit Schmerzhaftigkeit einhergehen und die Funktionalität der Gelenke oder des Muskel-Skelett-Systems beeinträchtigt sind. Bekannt sind unter anderem Muskel- und Gelenkrheuma, rheumatoide Arthritis, entzündlicher und degenerativer Rheumatismus. 

Kennzeichnend für entzündete Gelenke ist ein Gelenkschmerz, überwiegend im Ruhezustand. Morgendliche Steifheit der Gelenke, Anschwellungen von wenigstens mehreren Gelenken und generelle Krankheitsanzeichen wie Müdigkeit, fiebern, Gewichtsverlust und nächtliche Schweißausbrüche. 

Die Auslöser der Krankheit können so verschiedenartig sein, wie die Formen des Rheumatismus, die zwischen 200 bis 300 Unterarten zählen. 

Sie können verschiedenartig Ursachen innehaben, abweichend voneinander verlaufen und andersartige Schäden hervorbringen. 

Allen Arten ist jedoch gemein, dass sie in erster Linie am Binde- und Stützgewebe der tragenden Körperteile ansiedeln. Gemeint sind die Knochen, Gelenke und Weichteile. 

Die Vielzahl der rheumatischen Krankheitserscheinungen lassen sich unterscheiden. Ein bedeutsames Unterscheidungsmerkmal ist die entzündliche Art von Rheuma und die nicht-entzündliche Form. 

Klassifikation der rheumatischen Erkrankungen

Es gibt verschiedenartige Abläufe und Ausbildungen die auftreten. Schwerpunktmäßig sind das Rückgrat sowie das Muskel-Skelett-Systems betroffen. Rheuma kann sich aber auch in der Mehrzahl der Organe niederschlagen. Darunter fallen dann rheumatische Entzündungen der Augen, Herzmuskelentzündung, Nieren- und Darmentzündungen sowie Gefäßentzündungen. 

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen

Unter diesem Namen werden eine Reihe von Krankheiten zusammengefasst, deren Gemeinsamkeit einmal in den entzündlichen Erkrankungsprozessen am Bewegungsapparat, zum anderen im fast immer vorhanden systemischen Krankheitscharakter liegt. Bei den meisten dieser Erkrankungen spielen Störungen im Immunsystem eine wichtige Rolle, dennoch gibt es zwischen ihnen wichtige Unterschiede. Hieraus resultierte im zumindest partiell unterschiedliches therapeutisches Vorgehen. 

Bei dieser Art von Rheuma ist ursächliche eine Autoimmunerkrankung zu sehen. Durch eine Überreaktion des Immunsystems greifen die Abwehrzellen körpereigenes Gewebe an. Infolge der Aktivierung der Zellen und Botenstoffe wird im Immunsystem wird eine Entzündungswelle ausgelöst. Es entzünden sich die Gelenke, Wirbelsäule oder Muskeln. 

Nicht-entzündliches Rheuma

Hierunter versteht man Arten von Rheuma wie beispielsweise Arthrosen, Gicht oder Pseudogicht. Genauso wie Knochenerkrankungen und Weichteilrheuma und chronische Rückgratschmerzen, die ebenfalls darunter fallen. Es sind keine Symptome einer rheuma-entzündlichen Erkrankung festzustellen. Medizinisch können Erkrankungen wie Gicht, Pseudogicht, Osteoporose oder Sehenverkalkungen unter dem Begriff der Stoffwechselstörung eingeordnet werden. 

Rheumatoide Arthritis

Die rheumatoide Arthritis ist die wichtigste Form des chronischen entzündlichen Rheumatismus. Sie besitzt manche Ähnlichkeiten mit dem rheumatischen Fieber, unterscheidet sich aber doch wesentlich von diesem „akuten Rheumatismus“. Die rheumatoide Arthritis ist als chronische, nicht durch Bakterien hervorgerufene Entzündung verschiedener Extremitätengelenke gekennzeichnet, die oft schubweise oder ständig fortschreitet, schwere Gelenkzerstörungen und hochgradige Behinderungen verursachen kann. Sie führt zu langwieriger Arbeitsunfähigkeit und vorzeitiger Invalidität. Daraus ergibt sich ihre große soziale Bedeutung. Selbst nach heftigem Beginn kann die rheumatoide Arthritis zurückgehen oder fast inaktiv werden, dennoch schreitet sie bei zwei Drittel der Erkrankten in unterschiedlichem Tempo fort. 

Durch Zerstörung der Gelenkflächen, Kapselschrumpfung und Sehnendefekte bilden sich Fehlstellungen aus. Die Patienten können kaum mehr greifen, besonders wenn auch die Handgelenke versteift sind. 

Entzündungen von Wirbelsäule und Gelenken

Betroffen ist hier das Rückgrat mit seinen Rückenwirbeln und die angrenzenden Gelenke. Zu den spezifischen Ausbildungen gehören Morbus Bechterew, Arthritis, Schuppenflechte in Verbindung mit Gelenkentzündung. Im Rahmen des chronisch-entzündlichen Rheumatismus nimmt sie eine Sonderstellung ein. Sie befällt vorwiegend die Wirbelsäule und deren Nachbarschaft im Bereich von Becken und Brustkorb, aber oft auch Augen und Herz. Im Endstadium kann sie zu völliger Versteifung der Wirbelsäule und der großen Gelenke führen. 

Degenerativer Rheumatismus

In der Gruppe des „degenerativen Rheumatismus“ werden unspezifische Krankheiten des Stütz- und Bewegungsapparates zusammengefasst, bei denen regressive Veränderungen von Gelenkknorpel, Zwischenwirbelscheiben oder Bändern reaktive Vorgänge in den angrenzenden Geweben auslösen und zu Funktionsstörungen mit rheumatischen Schmerzsymptomen führen. Der nicht – entzündliche Charakter dieser Krankheiten ist in der Regel medizinisch deutlich. Trotz engen Beziehungen zu Alterung und Abnutzung ist der degenerative Rheumatismus kein bloßer Verschleiß. In Frage kommen vor allem Fehlbelastungen und Überanstrengung, beispielsweise bei angeborenen Gelenkdysplasien, durch Beruf und Sport, bei Lähmungen und Stoffwechsel-krankheiten. Seine verschiedenen Formen sind Krankheiten mit großer Bedeutung. 

Weichteilrheumatismus

Als extraartikulärer (außerhalb der Gelenke) Rheumatismus werden schmerzhafte Symptome im Bereich der Sehnen, Bänder, Schleimbeutel, der Muskulatur unter Unterhaut verstanden. Weichteilrheumatismus ist in der Praxis eine der häufigsten Diagnosen und oft nur Symptom einer Grundkrankheit. Bei schleichendem Beginn steht oft eine schmerzhafte, reflektorische Muskelverspannung im Vordergrund. Typisch sind heftige, ausstrahlende Schmerzen bei Druck auf den erkrankten Sehnenansatz und blitzartiger Schmerz bei Anspannung der entsprechenden Muskulatur. 

Menschen, die unter Weichteilrheuma leiden, haben gesundheitliche Probleme der weichen, nicht knöchernen Strukturen des Skelettes. Betroffen sind Sehnen, Bänder, Schleimbeutel und Muskeln. Die Ursache ist nicht auf eine Entzündung zurück zu führen. 

Schmerzen in Muskeln und Bindegewebe und anhaltende Müdigkeit sind kennzeichnend für eine Fibromyalgie (chronische Erkrankung). Die Krankheitszeichen ähneln der der Arthritis, die allerdings gänzlich anders auftritt. Bei der Fibromyalgie findet keine Entzündung statt. 

Leider kann diese Form von Weichteilrheuma das tägliche Leben sehr beschränken, da tägliche Routinearbeiten nicht mehr erledigt werden können und auch in den meisten Fällen eine Berufsunfähigkeit eintritt. 

Gedächtnisschwäche, Abgeschlagenheit und Schwindelanfälle sind Hindernisse und erschweren kognitive Angelegenheiten zu erledigen. 

Menschen mit Weichteilrheuma können sich einer Behandlung unterziehen, zu heilen ist die Krankheit jedoch nicht. 

Arthrosen

Verglichen mit den schweren Formen des entzündlichen Rheumatismus ist die Arthrosis gutartig. Ob nur ein einziges großes Gelenk oder eine Reihe von kleinen Gelenken befallen ist, ob sie geringe oder quälende Beschwerden macht, sie trägt nicht die Züge einer entzündlichen Allgemeinerkrankung. Arthrosen sind in der Bevölkerung sehr häufig. Ihre Verbreitung nimmt mit dem Alter stark zu. Die Wertigkeit der Arthrose für den Kranken und das Tempo ihres Fortschreitens hängen von Lebensalter, Lokalisation und Ursache ab. Im Alter können Beschwerden von einer lange bestehenden Arthrose schnell zunehmen. Frühzeitige Behandlung und Ausschaltung primärer Ursachen verbessern die Prognose wesentlich. Arthrosen machen nicht bettlägerig, aber körperlich tätige Menschen mit schweren Hüft- oder Kniearthrosen können schon früh erwerbsunfähig werden. 

Kapitel 4

Charakterisierende Symptome bei Rheuma 

Oft wird die Entstehung der Krankheit nicht bemerkt, da sie sich nur langsam ausbreitet. In anderen Fällen kann sie auch mit einem Mal auftreten, indem erste Anzeichen durch starke Schmerzen in den Finger- oder Zehgelenken oder auch in weiteren Gelenken einsetzen. 

Normalerweise sind vorzugsweise Handwurzelknochen und Fingergrundgelenke betroffen. Bei den befallenen Gelenken treten Schwellungen auf, die an den Stellen erhitzt sind und manchmal gerötet. In den Morgenstunden verstärken sich die Symptome, die bekannte Morgensteifigkeit tritt auf. Im Laufe der Zeit werden immer mehr Gelenke befallen. 

Von den einseitigen Symptomen her kann der Ruheschmerz, der Schmerz bei der ersten Bewegung nach Ruhe und der Schmerz nach längerer Belastung ein wichtiger Hinweis sein. Wärme und Hautrötungen sind Zeichen der Entzündung. Das Gelenk kann eine anatomische oder funktionell bedingte Fehlstellung zeigen. Die Konturen eines Gelenks können bei Anschwellung verstrichen oder durch Füllung der Rezessus abnorm verändert sein. Die Weichteile des verdichten Gelenks können prall oder teigig geschwollen sein. Ein Erguss im Gelenk kann zum Beispiel am Knie gut sichtbar sei, am Hand- und Ellenbogengelenk gut tastbar sein. Abnorme Beweglichkeit kann durch Gelenkflächenveränderung oder Bandapparatschwäche zu wackeln oder schlottern führen. Alle Bewegungseinschränkungen werden unter dem Begriff der Gelenksteife zusammen gefasst. 

Typische Symptome bei Rheuma 

Die Symptome sind an die jeweilige Form des Rheumatismus gebunden. Jedoch gibt es einige kennzeichnende Anzeichen, die zugeordnet werden können:

starke Schwellungen, Schmerzen und Funktionseinschränkung der betroffenen Gelenke 

Hauptmerkmal bei Rheumatismus sind in der Regel angeschwollene und ziehende oder reißende, schmerzende Gelenke. Ebenfalls als charakteristisch ist die fehlende Bewegungsmöglichkeit der Gelenke, die erst recht nach langen Ruhephasen auftritt. Erste Anzeichen einer Linderung tritt gewöhnlich erst nach ein bis zwei Stunden auf. 

Hat sich die Krankheit schon weiterentwickelt, können Deformierungen der einzelnen Gelenke auftreten und zu einer Knötchenbildung direkt unter der Haut kommen. Sogenannte „Rheumaknoten“ sind schmerzfrei bei ausgeübtem Druck oder Berührungen. 

Durch die Verschiedenartigkeit des Rheumas sind meist verschiedene Gelenke betroffen und die Symptomatik ist unterschiedlich. 

Die chronische Gelenkentzündung geht einher mit weichen, schmerzenden Schwellungen und dies über einen längeren Zeitraum. Die Symptome erscheinen beidseitig auf beiden Seiten eines Gelenks. Die Hand-, Fingermittel- und Zehenmittelgelenke sowie die Grundgelenke betrifft es am meisten. 

Bei der Form der Schuppenflechten-Arthritis haben die Betroffenen unterschiedliche Gesundheitsbeschwerden, die enorm von einander abweichen. Charakteristisch hier ist die ungleichmäßige Anschwellung der befallenen Gelenke der unteren Körperteile und der Fingergelenke sowie des Knie- und Sprunggelenks und der Zehengelenke. Eine Begleiterscheinung ist die Sehnenentzündung an Fersen oder Beckenkamm. 

Eine Spondyloarthritis (entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule) hat als Hauptsymptome die Entzündung und Schwellung am Rückgrat. Weitere Schwellungen treten auch an Fingern, Zehen und den Fersen auf. Zudem können noch weitere Krankheiten wie, Augenentzündung, Schuppenflechte und chronische Darmentzündung hinzukommen. 

Allgemeine Niedergeschlagenheit

Durch den Rheumatismus sind zwar vorwiegend die Gelenke beschädigt, dennoch wird durch die Entzündungen nach und nach der ganze Körper in Mitleidenschaft gezogen. Rheumatiker sind in folge dessen nicht mehr so belastbar und sind erschöpft, müde und haben meist wenig Appetit. 

Bei Menschen, die sich oft müde und ausgepowert fühlen, könnten an dem Fatigue-Syndrom (Erschöpfungs-Syndrom) erkrankt sein. Erste Anzeichen sind oft ein gesteigertes Ruhebedürfnis, Abgeschlagenheit, mangelnde Motivation und Antriebslosigkeit. Medizinische liegt der Grund darin, dass ein Botenstoff der für die Entzündungen zuständig ist, auch im Gehirn arbeitet und in das Gefühls- und Schmerzzentrum eingreift.

Ständig extreme Schmerzen, steigende Unbeweglichkeit, anhaltende Abgeschlagenheit, all dies belastet die Psyche des Patienten sehr. Nicht selten führen zunehmende Angst, Frustration und Verzweiflung zu Depressionen die – neben der eigentlichen Krankheit – auch noch behandelt werden muss. Eine gute Präventionsmaßnahme ist, dass Patienten dahingehend geschult werden, diese Erkrankung mit den einhergehenden Symptomen besser einzuordnen und zu akzeptieren. Auch Selbsthilfegruppen unterstützen die Betroffenen um sich gezielter mit anderen zu besprechen und Erfahrungen auszutauschen. 

Kapitel 5

Ursachen für Rheuma

Aus medizinischer Sicht ist die Ursache für Rheuma heute nicht gänzlich gesichert. Angenommen wird ein autoimmuner Auslöser, bei der die Zellen des Immunsystems im Körper Weichteile und Gelenke angreifen. Es wird hier unterschieden zwischen der ursächlichen Immunreaktion und andersartigen Gegebenheiten, die diese Auswirkung im Immunsystem bestehen lassen. In früheren Zeiten galten auch psychosomatische Einwirkungen als Auslöser. 

Ein möglicher Auslöser können Bakterien und Viren sein, dies ist aber nur eine Hypothese.

Heutzutage wird auch eine mögliche Verbindung einer Parodontitis und dem Auftreten einer rheumatoiden Arthritis debattiert. 

Der auslösende Anlass bei der rheumatoiden Arthritis ist nicht definitiv abgeklärt. Fest steht, dass das Immunsystem bei der Entstehung der Krankheit eine wichtige Funktion spielt. Hauptbestandteil des körpereigenen Abwehrsystems sind die weißen Blutkörperchen, die bei Gesundheit in der Lage sind, körpereigene von körperfremden Wirkstoffen zu differenzieren. Entwickelt sich eine Autoimmunkrankheit, bedeutet dass für den Körper, dass er die körpereigenen Wirkstoffe als verfremdet erkennt. Dieser Prozess kann Jahre hinweg entstehen. 

Ist eine rheumatoide Arthritis entstanden, sind fehlgeleitete Abwehrzellen in die betroffenen Gelenke gekommen und stellen hier unterschiedliche, entzündungsfördernde Substanzen, wie beispielsweise Gewebshormone (Zytokine) her. In der Regel sind Zytokine in Balance mit ihren Gegenspielern, was eine Immunreaktion verhindert. Wird nun eine Überproduktion der Gewebshormone erzeugt, ist das Gleichgewicht instabil. Es gibt aber noch andere Gewebshormone, die an der Weiterentwicklung der Erkrankung mitwirken. 

Bei der Entzündung breitet sich die Gelenkinnenhaut extrem aus, so dass mehr und mehr Flüssigkeit aus den Gefäßen austritt und so ein Gelenkerguss entsteht. Aufgrund der zunehmenden Wucherung der Gelenkinnenhaut werden Knochen, Bänder und Knorpel zerstört. In diesem Zyklus lösen die weißen Blutkörperchen abgestorbene Gewebereste auf und es werden noch mehr Gewebshormone freigesetzt, der Knorpelschaden nimmt weiter zu. 

Als Ursache für die Störung der körpereigenen Abwehr wird angenommen, dass Rauchen eine der Hauptursachen zu sein scheint. Aber auch Viren und Bakterien werden in Betracht gezogen, genauso wie vererbte Anlagen. Es ist davon auszugehen, dass über Jahre hinweg mehrere Merkmale zusammenkommen müssen um eine rheumatoide Arthritis auszulösen. 

Auslöser

Der Prozess, der bei einer chronischen Gelenkentzündung vor sich geht, ist zwar mittlerweile bekannt, der Auslöser ist aber immer noch nicht klar herausgefunden. 

Die Vererbungsanlage, diese Krankheit an die nächste Generation weiterzugeben, liegt ebenfalls hoch. Statistiken beweisen, dass Frauen wesentlich öfter betroffen sind als Männer. 16 Prozent der Bevölkerung in Europa ist von Rheumatismus betroffen. Die Heilungschancen sind auch in der heutigen Zeit sehr gering. 

Inwieweit Umweltfaktoren Auswirkung auf die Krankheit und ihre Entwicklung haben, wird in Fachkreisen ebenfalls erörtert. Datenansammlung über Rheumatiker haben ergeben, dass Raucher öfter an Deformationen der Gelenke leiden. 

Weiterhin wird davon ausgegangen, dass gewisse Merkmale – oft auch in Konstellation – auslösend sein können, unter anderem:

  • Eine genetischen Veranlagung von entzündlichen Erkrankungen ist oft generationenübergreifend anzutreffen. 
  • Ein instabiles Immunsystem ist empfänglicher für Rheumatismus. 
  • Auslöser können Bakterien oder Viren sein. 
  • Überanstrengung der Gelenke durch Übergewicht oder Fehlstellungen. 
  • Auch unzureichende Bewegung infolge von schwacher Muskulatur oder Bettlägerigkeit. 
  • Stoffwechselerkrankungen und vitamin- und Nährstoffarme Kost können die Krankheit begünstigen 

Auch Hormone können in jungen Jahren ausschlaggebend sein. Forscher haben herausgefunden, dass ein früher Menstruationsbeginn das Risiko an Rheuma zu erkranken erhöht. Gründe für eine vorzeitig eintretende Menstruation kann Übergewicht sowie eine erhöhte Konzentration aus Weichmacher in Kunststoffen sein. Daher sollte in jedem Fall darauf geachtet werden, dass Kinder und Jugendliche sich gesund ernähren, Sport treiben und wenn möglich Kunststoffe (Verpackungen, Spielzeug, Baby- und Kinderanziehsachen aus synthetischen Materialien – Mikroplastik) vermieden werden. 

Erbanlagen

Der Einfluss der Gene hinsichtlich der Ausbreitung chronischer Erkrankungen ist nicht so hoch, als wie allgemein vermutet wird. Durch wissenschaftliche Arbeiten weiß man, dass Gene in nur geringem Maß an der Entstehung von Autoimmunerkrankungen ist. 

Die Einwirkungen durch Umweltaspekte auf das Leben und eine ungesunde Ernährungsform begünstigen viel stärker die Möglichkeiten an einer Form des Rheumatismus zu erkranken. 

Darm

Patienten, die unter einer Darmkrankheit leiden, wie zum Beispiel Morbus Crohn, leiden oftmals auch parallel an einer rheumatischen, entzündlichen Krankheit. Bei genaueren Untersuchungen der Darmflora von Rheumapatienten hat sich herausgestellt, dass die mikrobiologische Formation sich klar von der einer gesunden Darmflora unterscheidet. So konnten Verbindungen von Gelenk- und Darmkrankheiten nachgewiesen werden. 

Die rheumatoide Arthritis und der Darm verbindet eine entscheidende Rolle: bei einer porösen Darmschleimhaut, hervorgerufen durch ungesunde und nicht richtige Ernährung, Dauerstress und Medikamenten, kann diese Konstitution das körpereigene Abwehrsystem schädigen und eine rheumatisch-entzündliche Erkrankung auslösen. Der medizinische Begriff hierfür lautet: „durchlässiges-Darm-Syndrom“. 

Ist die Darmschleimhaut mit ihren darauf angesiedelten Bakterien gesund, bildet sich eine natürliche Blockade für Fremdstoffe, nicht vollständig verdaute Eiweiße und toxische Stoffwechselprodukte. Wichtige Nährstoffe können diese Barriere ohne Probleme durchschreiten. 

Aufgrund nicht ausgewogener Nahrung und regelmäßiger Medikamenteneinnahme wird die Darmflora geschädigt. Fäulnisbakterien und Pilze breiten sich aus. Die nun nicht mehr intakte Darmflora verliert die eigentliche Aufgabe, nämlich die Darmschleimhaut zu schützen. Giftstoffe, Keime und unverdaute Eiweißstoffe können ungehindert die Darmschleimhaut durchdringen. Vorprogrammiert sind nun Autoimmunerkrankungen und Allergien. 

Wichtig ist nun für Rheumatiker, dass die Darmflora wieder aufgebaut wird, damit sich nicht noch weitere Krankheiten ausbilden können. 

Kapitel 6

Behandlungsmöglichkeiten

Allgemeine Maßnahmen

Eine Reihe von nichtmedikamentösen Basismaßnahmen sind für alle Patienten sinnvoll und sollten somit stetes in den Behandlungsplan integriert sein, was in der Praxis allerdings oft zu kurz kommt. Der Aufklärung und Schulung des Patienten über Wissen und Merkmale der Erkrankung, Grenzen, Möglichkeiten und Eigenheiten der medikamentösen sowie auch operativen Therapie, Prinzipien des Gelenkschutzes, mögliche Hilfsmittel etc. kommt hierbei grundlegende Bedeutung zu. Hierdurch können frühzeitig die Weichen für eine bessere psychische Bewältigung der Krankheitssituation, eine adaptierte Lebensführung, aber auch eine gute Compliance gestellt werden. Die psychosoziale Betreuung der Patienten beinhaltet u. a. Berufliche Maßnahmen (Umschulung), Hilfen im Umgang mit der Familien und die Einbettung in Patientengruppen und die Initiierung einer unterstützenden Psychotherapie.

Medikamentöse Therapie

Der Einsatz von Medikamenten wird grundsätzlich in allen Stadien und Situationen der Erkrankung ein zentraler Bestandteil des Behandlungsplans sein, wobei die Art und Dosierung der verwendeten Substanzen variieren. 

Antiphlogistika (NSAID und niedrigdosierte Kortikoide) sind in jeder aktiven Krankheitssituation einzusetzen. Im frühesten Stadium, das in der Regel wenige Monate dauert, stellen sie die einzige medikamentöse Möglichkeit dar, die Beschwerden des Patienten auf ein erträgliches Maß zu reduzieren und die benötigte Zeit bis zur Diagnosesicherung zu überbrücken. 

Eine medikamentöse Therapie setzt sich normalerweise aus einer Kombination unterschiedlicher Therapiegrundsätzen zusammen, zielführig schnell die Schmerzen und Entzündungsprozesse zu lindern oder auch zu stoppen. Vorrangig setzt die Medizin entzündungshemmende Glukokortikoide ein, sowie auf den Krankheitsablauf auswirkende Basistherapeutika. Ergänzt wird die Therapie bei Wunsch auch durch andere Schmerzmittel und örtlich gesetzten Injektionen in die Gelenke. 

Orthopädische Maßnahmen

Die vordringlichen Therapieziele, die Bekämpfung von Schmerz und Entzündung sowie Funktionserhalt beziehungsweise -verbesserung sind in keinem Stadium der Erkrankung – abgesehen von der frühesten Phase – mit medikamentösen Mitteln alleine zu erreichen. Die Möglichkeit sinnvoller chirurgischer Interventionen ist auch der Frühphase in jedem Stadium der gesicherten Erkrankung in die Planungen miteinzubeziehen, wobei neben rekonstruktiven Maßnahmen vor allem in frühen Phasen auch präventive Eingriffe, zum Beispiel in Form der Frühsynovektomie, sinnvoll sind. Jeder Patient sollte in regelmäßigen Abständen einem Orthopäden vorgestellt werden. 

Physikalische Therapie

Zu den wichtigsten Bestandteilen zählen die verschiedenen Arten der Bewegungstherapie oder Krankengymnastik im Freien und im Wasser, die gleichermaßen der Verbesserung und der Stabilisierung der Gelenkfunktionen sowie der Korrektur oder Bekämpfung von Muskelatrophien dienen. Das für den einzelnen Patienten geeignete physikalische Behandlungsprogramm wird dabei durch individuelle Verträglichkeit und Neigung entsprechender Modifikation erfahren. 

Physiotherapie

Eine in regelmäßigen Abständen durchgeführte Physiotherapie ist eine entscheidende Komponente bei der rheumatoiden Arthritis. Während einer akuten Krankheitsphase werden die betroffenen Gelenke passiv abgelegt und schmerzreduzierende Anwendungen und eine behutsame Lagerung vorgenommen. Diese Therapieform unterstützt die Muskeln sich zu lockern. Ist die Krankheit weniger aktiv, werden Bewegungsübungen angewandt, bei der die Gelenke agil bleiben und festigen. Die Muskeln werden darüber hinaus aufgebaut. 

Ergotherapie

Das bestrebte Ziel ist es bei dieser Form, die Eigenständigkeit wieder herzustellen. Es werden für den täglichen Bedarf allgemein nützliche Funktionen wieder eingeübt, damit der Patient sein „normales“ Leben erhalten kann. Zu den Übungen gehören Methoden zu erlernen, die den Gelenkschutz betreffen, genauso wie der Gebrauch von Hilfsmitteln oder anderen Gegenständen. 

Operation

Die Notwendigkeit eines Operationsverfahren besteht dann, wenn eine bewahrende Behandlung nicht mehr genügen. Wann und in welcher Form eine Operation erfolgt, wird je nach Patientenlage ein Mediziner entscheiden. In der heutigen Zeit bestehen exzellente medizinische Möglichkeiten operative Eingriffe erfolgreich durchzuführen. Vom Grundsatz her werden nachfolgende Möglichkeiten angeboten: 

Gelenkersatz (Endoprothese):

Ist der Gelenkverschleiß schon zu weit fortgeschritten, ist eine Endoprothese die beste Methode um dem Patienten eine schmerzlose und – arme Bewegung zu erlauben. 

Es gibt Endoprothesen aus Keramik, Titan oder Metall. Werden Gelenkkopf und Gelenkpfanne ersetzt, spricht man von einer „totalen Endoprothese“. Wird nur der Gelenkkopf erneuert, spricht man von einer „Teilendoprothese“.

Je mehr der Bewegungsablauf im Vorfeld einer Operation gestört ist, desto größer ist die Probabilität, die völlige Funktionalität wieder herzustellen. Hinzu kommt, dass bereits vorbelastete und poröse Knochen nur begrenzt Halt den Prothesen ermöglichen.

Gelenkversteifung:

Ist ein Gelenkersatz nicht mehr durchführbar, kann eine Gelenkversteifung helfen. Die irreparablen Gelenkflächen werden abgenommen und die Knochen werden mit eingesetzten Platten durch Schrauben, Nägel oder mit Drähten befestigt. 

Gelenkresektion:

Sind die Gelenkflächen brüchig, hingegen der Bewegungsapparat an sich sowie die Gelenkkapseln und Muskeln noch in einem guten Zustand, kann eine Gelenkresektion vorgenommen werden. Die zerstörten Gelenkteile werden entfernt und die Gelenkflächen neu ausgestaltet. Hierfür wird Körpergewebe (Fettgewebe, Muskelfaszien oder Kapselgewebe) eingesetzt. 

Allerdings ist die Gelenkresektion keinesfalls für den Stützapparat verwendbar. Der Belastungsgrad wäre viel zu hoch. 

Gelenkflächenkorrektur:

Liegt eine sehr starke Körperverformung vor, kann eine Gelenkflächenkorrektur dazu eingesetzt werden, um die Belastungen des Körpers wieder gleichmäßig zu verteilen. Knorpelschäden in einem bestimmten Belastungsbereich eines Gelenks gleichmäßig zu verteilen. 

Hierzu werden die Knochen durchtrennt und mit Platten, Schrauben, Nägeln oder Drähten in der neu ausgerichteten Position wieder zusammen gefügt. In der Regel wird diese Methode bei Patienten im jüngeren Alter angewandt. 

Hauptsymptome der rheumatischen Krankheiten sind enorme Schmerzen und Bewegungseinschränkung. Medizinisch wird hier versucht, die Entzündungen und Schmerzen abzumildern und somit die Gelenkzerstörung aufzuhalten. Es ist unumgänglich, eine auf den Patienten abgestimmte Therapie durchzuführen.

Die Weltgesundheitsorganisation hat eigens dafür einen sogenannten „Stufenplan“ erarbeitet, der je nach Krankheitsentwicklung seine Anwendung findet. Im allgemeinen wird unterschieden zwischen entzündungshemmender Medikamente und schmerzlindernder Medikamente. 

Bei der Soforttherapie werden symptomische Therapeutika und bei der Langzeittherapie werden die Basistherapeutika eingesetzt. 

Sogenannte „Symptomatische Medikamente“ können sich in kortisonhaltige und nicht kortisonhaltige Therapeutika unterteilen. Vielfach werden aber auch Präparate in der Sofort- und Basistherapie zusammen eingesetzt. 

Nicht-steroidale Antirheumatika

Ist eine rheumatoide Arthritis noch nicht weit fortgeschritten, können auch „nicht-steroidale Antirheumatika“ verschrieben werden. Die meist angewendeten Medikamenten sind hier Ibuprofen und Diclofenac. Ihre Wirkung ist entzündungshemmend. Nachteilig wirken sich die Nebenwirkungen auf die Schleimhäute im Magen-Darm-Trakt aus, dass es sogar zu Geschwüren kommen kann. 

Kortisonbehandlung

Die durchschlagensten Behandlungserfolge bei akuten Entzündungen wird immer noch durch Kortison erzielt, da es innerhalb von Stunden wirkt. Meistens wird Kortison unmittelbar an die betroffene Stelle im Gelenk gespritzt. Dies hat gegenüber den Tabletten den Vorteil, dass der restliche Körper verschont wird. Durch die Entwicklung neuartiger Präparate wirkt Kortison nur noch partiell an den Stellen, wo es angewendet wird und nicht mehr im ganzen Körper, so dass die Schädigungen wie Osteoporose, Aufgedunsenheit oder Hautausschläge nicht mehr zu befürchten sind. 

Basistherapie

Damit eine rheumatische Entzündung durchschlagend therapiert werden kann, werden in der Regel lang anhaltende Antirheumatika verabreicht. Diese Medikation wirkt nicht unmittelbar, sondern greift erst nach wenigen Wochen. 

Der Vorteil der Medikation ist, dass sie aufgrund ihrer Langzeitwirkung nachwirken, auch wenn die Präparate schon abgesetzt wurden. Entzündungen werden begrenzt und Zerstörungen an Knorpel- oder Knochen werden aufgehalten. 

Durch die Basistherapeutika wird die Abwehrkraft des Körpers geschwächt, so haben Bakterien und Viren schneller die Möglichkeit, sich auszubreiten. 

Basistherapeutika verdrängen Entzündungsverfahren und sind in der Lage, die Krankheit zu regulieren. Allerdings sind aufgrund der Nebenwirkungen regelmäßige Blutuntersuchungen notwendig, da die Therapie über einige Jahre erfolgt. 

Bewährte, synthetische Basistherapeutika:

Das überwiegend zur Behandlung eingesetzte Therapeutikum ist Methotrexat. Es ist das Präparat mit den besten und über Jahre erprobten Erfahrungen hinsichtlich einer Langzeittherapie. Ersatzweise oder in Konstellation ist auch der Einsatz von Leflunomid möglich. 

Auch die Präparate Sulfasalazin und Chloroquin werden empfohlen, jedoch nur bei nicht starken Fällen. Nachteilig ist, dass die beiden Stoffe nur ihre Wirkung ausprägen, wenn andere Basistherapeutika verabreicht werden. Oftmals ist es so, dass unterschiedliche Therapeutika eingenommen werden müssen, damit der gewünschte Effekt eintritt. 

Leider treten vermehrt Folgeerscheinungen bei einer derartigen Therapie auf, die unschön für den Patienten sind. Zu nennen sind da Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Wandlung des Blutbildes und Fehlfunktionen der Leber und Nieren. Werden die Präparate abgesetzt, sind auch die Beschwerden in der Regel relativ schnell verschwunden. 

Einsatz von Biologika

Bei Biologika handelt es sich um Medikamenten, die relativ neu auf dem Markt sind. Es handelt sich um genetisch generierte Eiweißwirkstoffe, die spezifische entzündungsfördernde Botenstoffe beseitigen und somit in den Regulationsmechanismus des Immunsystems eingreifen. 

Das körpereigene Abwehrsystem besitzt unzählige Botenstoffe, die für Entzündungsprozesse zuständig sind. Bei einer Gelenkentzündung ist dies der sogenannte Tumornekrose-Faktor-Alpha. Dadurch werden bestimmte entzündungsaufbauende Zellen mobilisiert, die bei der Vernichtung des Gelenkknorpel beteiligt sind. Eingesetzte Biologika verbinden sich mit diesen Zellen und dämmen so die Entzündungsstoffe ein. 

Wissenschaftlich wurde bewiesen, dass verabreichte Biologika einer Gelenkentzündung entgegenarbeiten und sie stoppen können. Eine große Anzahl von Patienten sind binnen weniger Tage schmerzlos. Bekannte Nebenwirkungen sind ansteigende Anfälligkeiten für Herzschwäche, Autoimmunerkrankungen und Infektionen. 

Biologika und Biosimilars:

Die genetisch erzeugten Biologika sind Nachbildungen von körpereigenen Eiweißmolekülen des Abwehrsystems. Daher kann die spezifische Eindämmung von dem Entzündungsprozessen bei rheumatoiden Arthrosen hervorgerufen werden. Sie werden vordergründig dann angewandt, wenn synthetische Medikamente nicht genügend Erfolg bringen. Allerdings ist eine Biologikatherapie sehr kostspielig. Aus diesem Grund wurden erschwinglichere, ähnliche Präparate entwickelt, die „Biosimilars“. In den meisten Fällen werden Biologika zusammen mit Methotrexat verabreicht. Die Eiweißmoleküle werden, aufgrund ihrer Größe, unter die Haut gespritzt. 

Seit einigen Jahren gibt es zwei neue Wirkstoffe unter den Basistherapeutika, die „small molecules“, die ähnlich speziell wirken wie Biologika und im körpereigenen Abwehrsystem tätig werden. Sie können sogar in Tablettenform eingenommen werden. 

Jedoch muss vor einer beginnenden Therapie mit „small molecules“ und Biologika ein Für und Wider mit dem behandelnden Arzt diskutiert werden. Dauerhafte, nicht erwünschte Nebenwirkungen sind in Medikamentenregister festgehalten und ausgiebig untersucht worden. 

Eine erhöhte Ansteckungsgefahr ist durch Basistherapeutika wesentlich abgemildert. Im Vergleich zu Kortisontherapien ist dort das Risiko wesentlich höher einzustufen. Nach neustem Wissensstand ist die Gefährdung eine bösartige Krankheit bei einer Basistherapie zu bekommen nicht erhöht. Patienten, die eine rheumatisch-entzündliche Erkrankung haben, ist aber eine routinemäßige Vorsorgeuntersuchung bei einem Hautarzt anzuraten. 

Nebenwirkungen der Therapien:

  • Konventionelle Medikamente, die bei einer Basistherapie eingesetzt werden, können verschiedenartige Nebenwirkungen zeigen: 
  • Methotrexat verursacht Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit und Mundschleimhautentzündungen.
  • Leflunomid löst Hautauschläge, Haarausfall und Diarrhö aus. 
  • Sulfasalazin ist verantwortlich bei Erbrechen, Übelkeit, Hautausschläge und Juckreiz, Kopfscherzen und Magenverstimmungen.
  • Chloroquin ruft ebenfalls Magenverstimmung, Erbrechen und Sehstörungen hervor. 

Vor allem treten anfangs einer Behandlung mit unterschiedlichen Substanzen Magen-Darm-Probleme auf. Methotrexat hat nach einer Studie bei vier von Einhundert Patienten derartige Symptome ausgelöst. Bei einer Langzeitstudie waren sogar Zwölf von Einhundert Patienten betroffen. 

Nachweislich blockiert Methotrexat Folsäure im Körper, was dazu führt, dass die unschönen Nebenwirkungen ausgelöst werden. Um dies vorzubeugen, kann man wöchentlich 5-10 mg Folsäure zu sich nehmen. 

Bei einer Methotrexat-Therapie kann das Medikament subcutan oder in Muskeln eingespritzt werden. Die unerwünschten Nebenwirkungen (Diarrhö oder Übelkeit) ist bei dieser Art der Anwendung wesentlich niedriger als bei einer Therapie mit Tabletten. Zudem wirkt das Präparat intensiver. 

In sehr wenigen Fällen rufen die Medikamente jedoch schwerste Nebenwirkungen wie Leber- und Nierenschäden, Veränderungen des Blutbildes oder weitere Entzündungen hervor. Um entsprechend frühzeitig entgegenzuwirken, werden turnusmäßig Urin- und Blutwerte untersucht. Im Vorfeld einer Behandlung müssen etwaige Nebenwirkungen besprochen werden. 

Alternative Heilmethoden 

Homöopathie zur Unterstützung

Homöopathie ist nicht für jeden etwas. Sicher ist aber, dass durch eine homöopathisches

Heilverfahren die Schmerzen und Entzündungen gemindert werden können. Hauptsächlich werden homöopathische Einzelmittel oder auch Komplexmittel eingesetzt, die als Globuli, in Tropfenform, Tabletten oder Salben eingesetzt werden. Patienten können sich, nach Rücksprache und Anamnese, mit einem Homöopathen selber behandeln. 

Homöopathische Heilverfahren können bei akuten und auch chronischen Schmerzen begleitend angewandt werden. Ein Hauptziel ist es, die Schmerzen zu verringern und den Krankheitsprogress zu entschleunigen. 

Aufgrund der Unterstützung zu der medikamentösen Behandlung ist es möglich, die Dosierung der Schmerzmittel herunter zu setzten. 

Zu den besten Heilpflanzen zählt die Teufelskralle. Sie wird seit mehrerer Jahrhunderten für Entzündungen und zur Schmerzverringerung verwendet. Leider gibt es aber auch hier Erfahrungsberichte, wonach es Magen-Darm-Blutungen geben kann. Ärztliche Beratung ist auch in diesem Fall immer notwendig. 

Hydrotherapie: Wasser aktiviert Selbstheilungskräfte des Körpers

Die Hydrotherapie ist eine wassergestützte Therapieform, die bei rheumatischen Beschwerden erfolgreich vollzogen wird. Der Therapeut und Heilpraktiker nutzt Güsse, Bäder oder Umschläge mit schwefel- und radonversetztem Wasser. Weiterhin kommen Packungen mit Heilschlamm oder -erde mit Temperaturunterschieden in den Behandlungen vor. Anhand der Temperaturreize auf der Haut, werden die körperlichen Selbstheilungskräfte frei gegeben. 

Phytotherapie: Heilpflanzen lindern rheumatische Beschwerden

Die Pflanzenheilkunde bietet ebenfalls eine Menge an Möglichkeiten um rheumageplagte Menschen zu unterstützen. Dazu gehören unter anderem Brennnessel, Birkenblätter sowie Cayennepfeffer. Auch Weidenrinde und indischer Weihrauch entzündungshemmende Wirkung.

Die Anwendung ist sehr einfach zu handhaben, nämlich indem man Salben, getränkte Umschläge und Badezusätze benutzt. Innerlich können Tees oder auch Präparate in Kapselform eingenommen werden.

Akupunktur:

Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) lässt sich auch bei Rheuma gut anwenden und Nebenwirkungen wie bei einer medikamentösen Behandlung treten nicht auf. Eine gute alternative Möglichkeit um unterstützend eine Therapie zu begleiten. Bereits im „alten“ China traten ähnliche Krankheitsbilder und Symptome auf, die dem heutigen Rheumabild ähnelten. Auslöser des sogenannten „Bi-Syndroms“ (Rheuma), ist eine Behinderung im Fluss von Qi und Blut. Schlechte und andauernde Witterungen, wie Wind, Feuchtigkeit und Kälte und eine Unzulänglichkeit des Abwehrsystems fördern diese Störung. Es gibt mehrere Arten des „Bi-Syndroms“:

  • Bi-Syndrom mit äußerst massiven Schmerzen. Hier bessert Wärme die Schmerzen. Auslöser ist anhaltende Kälte. 
  • Bi-Syndrom mit ständig umher wandelnden Schmerzen und beeinträchtigtem Gehen, ausgelöst durch ständigen Windeinfluss. 
  • Bi-Syndrom mit primär entzündlichen Gelenken, die angeschwollen, gerötet und heiß sind. Verursacht von Nässe, Wind und Kälte. 

Der Therapeut entfernt erst einmal die verursachenden Einflüsse wie Nässe, Wind und Kälte, durch setzen der Akupunkturnadeln an den entsprechenden Meridianpunkten. Der Körper zeigt eine Schwäche auf, auf der die Therapie aufbaut und durch Stärkung der Energie die energielosen Organe stärkt. Die Therapie wird über eine längere Zeit angewandt. Patienten sollten die Medikamente, je nach Besserung, in langsamen Schritten reduzieren. Im allgemeinen werden durch die Akupunktur auch die Gelenke wieder beweglicher. 

Kapitel 7

Sport und Rheuma – passt das zusammen?

Die meisten Rheumapatienten hüten sich Sport zu betreiben, da sie Angst haben, die Gelenke zu schädigen oder dass die Befindlichkeiten zunehmen. Einige Sportarten erlauben es aber auch Rheumaerkrankten körperlich aktiv zu werden. Sportliche Aktivitäten verändern die Fitness positiv und wirken der rheumatischen Müdigkeit entgegen. 

Die Gelenkzerstörung ist das Hauptproblem bei Rheuma. Oftmals wird daher befürchtet, dass Sport durch nicht richtig ausgeführte Bewegungen akute Schübe verursachen können und die Müdigkeit wieder vermehrt in den Vordergrund tritt. Oder auch, dass die Gelenke noch mehr in Mitleidenschaft gezogen werden. 

Die nachfolgenden Übungen sind für Rheumapatienten dennoch gut geeignet: 

Kräftigungsübungen

Leichte und mäßige Kraftübungen mit gering gewichtigen Hanteln oder anderen Geräten, die in der Regel zwei bis dreimal wöchentlich durchgeführt werden, reichen schon aus um die Muskulatur von Armen und Beinen zu stärken. Mit diesem Training wird die Körperkraft verbessert und die Beeinflussung durch das Rheuma abgemildert. Betroffene Erkrankte haben so die Möglichkeit, sich im Alltag besser zu bewegen und Aufgaben leichter zu bewältigen. 

Ausdauertraining

Ein Ausdauersport, der ebenfalls zwei bis dreimal wöchentlich und bis zu 60 Minuten absolviert wird, steigert die Lebensqualität ein bisschen. Gemäßigtes Ausdauertraining durch Radfahren, Walken oder schwimmen lässt die Herzfrequenz nicht zu stark ansteigen. Ein positiver Effekt ist, dass die Gelenkschmerzen ein wenig verringert werden. 

Wassergymnastik

Wassergymnastik eignet sich hervorragend bei Rheumatikern. Durch die Bewegung im Wasser werden die Gelenke entlastet. Bislang ist jedoch nicht wissenschaftlich nachgewiesen, dass durch Wassergymnastik die Schmerzen verringert werden. Dennoch ist es für das Lebensgefühl ein richtiger Schritt. 

Yoga und Tai Chi 

Um diese beiden Sportarten auszuführen, müssen die Patienten schon ein Faible für Yoga oder Tai Chi haben. Studien über die Auswirkungen auf Rheuma gibt es bislang leider nicht. Aber wird auch hier in gleichmäßigen Abständen trainiert, ändert sich das Wohlgefühl des Menschen. In einem Verein oder in Gruppen zu üben, wirkt sich auch auf psychischer Ebene positiv aus. 

Vom Prinzip her sind für rheumaerkrankte Menschen all die sportlichen Aktivitäten passend, die nicht allzu sehr auf die Gelenke gehen. Vorab sollte natürlich mit dem behandelnden Arzt oder Physiotherapeuten eine individuelle Sportart geklärt werden. Bei allen sportlichen Betätigungen gilt aber, bei akuten Schüben oder nach operativen Eingriffen die Intensität nur allmählich zu steigern. 

Kapitel 8

Ernährung bei Rheuma

Die Ernährung bei Rheumatismus spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Es sollte auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung geachtet werden, damit dem Körper ausreichend Vitamine, Ballaststoffe und Spurenelemente zur Verfügung stehen. In seinem Kampf gegen die Erkrankung benötigt er viel Energiereserven. Wichtig zu wissen ist auch, dass ein rheumageplagter Körper andere Nährstoffe benötigt als ein gesunder Körper. Angepriesene und nicht bestätigte „Rheumadiäten“ sind grundsätzlich zu vermeiden, da sie mitunter dem Körper mehr Schaden zufügen, als ihn gesund zu machen. 

Rheumatiker sollten so sich besonders gesund und vitaminreich ernähren. Schon die Krankheit an sich und die Medikamenteneinnahme führen zu einem höheren Bedarf an Nährstoffen was eine Mangelernährung zur Folge haben kann. 

Wird ein Nährstoffmangel, hervorgerufen durch Medikamente nicht ausgeglichen, können sich weitere Begleiterscheinungen in Form von Krankheiten entwickeln. Bekannt sind hier die Osteoporose, Herzkrankheiten und Anämie. 

Lebensmittel, die bei Rheuma vermieden werden sollten 

Der erkrankte Stoffwechsel bei Rheumapatienten ist ein krankheitsbedingtes System, welches durch die Nahrung gut gesteuert werden kann. Rheumadiäten sind dafür bestimmt, die Entzündungen im Körper zu verringern. 

Ein wichtiger Auslöser bei Entzündungen ist die Arachidonsäure, die einzig und allein in tierischen Produkten vorkommt. Übermäßig viel dieser Säure enthalten Schweineleber und -schmalz, Eigelb und Leberwurst. Ebenfalls sind Milchprodukte davon betroffen, die nur in fettreduzierter Form verzehrt werden sollten. 

Umso geringer die Arachidonsäure in einem Lebensmittel ist, umso weniger können Entzündungsstoffe entstehen. 

An erster Stelle gehören Eier, Wurst, Milchprodukte, Fleisch und Schweineschmalz dazu. In diesen Produkten sind Arachidonsäure vorhanden, aus denen entzündungsfördernde Stoffe hervor gehen, die wiederum Entzündungen begünstigen. 

Diese Arachidonsäure – eine vierfach ungesättigte Fettsäure der Omega-6-Fettsäuren – ist nur in Nahrungsmitteln zu finden, die einen tierischen Ursprung haben ( Eier, Wurst, Milchprodukte, Fleisch). Die wöchentlich empfohlenen Menge ist ausgeschöpft wenn zwei Fleischgerichte pro Woche oder beispielsweise vier Eier verzehrt werden. Allerdings kann zumindest auf fettärmere Varianten umgestiegen werden. 

Fisch, Öle und Gewürze: Lebensmittel die Rheumatiker helfen

Für Rheumatiker ist der Verzehr von Fisch bestens geeignet. Durch die Fettsäuren, die sich im Fischöl befinden, kann eine erhebliche Verbesserung der Erkrankung erzielt werden. Nur einige hundert Gramm Fisch in der Woche können eine Linderung der angeschwollenen Gelenke und zur leichten Reduzierung der Schmerzen führen. 

Die Eicosapentaensäure, die in Fischöl ist, kann aber auch bei Pflanzen zu finden sein, unter anderem in diversen Ölen wie Soja-, Raps-, Weizenkeim- oder Nussöl. Eine Mahlzeit sollte möglichst auch mit viel Gewürzen verfeinert werden. Knoblauch, Kümmel, Curry und Ingwer enthalten Antioxidantien, die bei rheumatischen Beschwerden helfen. 

Nachweislich können Omega 3 Fettsäuren überempfindliche Gelenke entlasten sowie die morgendliche Steifheit herabsetzten. Rheumatiker können durch die Einnahme die Medikamentenzufuhr drosseln. 

Bei der Nahrungszusammenstellung sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass wenigstens zweimal wöchentlich Fische wie Lachs, Makrele, Forelle oder Hering vorkommen. Auch Öle, wie Lein-, Soja-, Walnuss- und Rapsöl sind sehr wichtig. Es sind gute Lieferanten für Vitamin E das durch sein Antioxidant gut auch Entzündungen einwirkt. 

Olivenöl

Ein extra natives Olivenöl trägt dazu bei, Entzündungen abzumildern, gleichermaßen wie nicht steroidale Antirheumatika es hervorrufen. Drei Esslöffel natives Olivenöl weisen die gleichen entzündungshemmenden Merkmale auf wie eine Ibuprofentablette. In Olivenöl enthaltenes Oleocanthal behindern entzündungsverursachende Enzyme. 

Als Rheumatiker vegetarisch werden?

Die Ernährung auf vegetarisch oder gar vegan umzustellen ist für einige Patienten das „Wundermittel“ für ihre Erkrankung und sie leben streng danach. Dennoch sollte man bedenken, dass die Fettsäuren, die sich im Fischöl befinden, Entzündungen abmildern können. Daher ist eine vegetarische Kost zu überdenken. Auch fundierte, akademische Grundlagen für diese Ernährungsform gibt es nicht. 

Gleiches gilt für Warenangebote aus Drogeriemärkten oder Reformhäusern, die Erzeugnisse auf pflanzlicher Basis anbieten oder Vitaminmischungen. Vielfach sind die Produkte überteuert. 

Vitamine und Spurenelemente

Nachweislich haben Vitamine und Spurenelemente einen entzündungshemmenden Einfluss, daher ist es ratsam, dass Rheumapatienten diese in zunehmendem Maße zu sich nehmen. Herausragend sind die Vitamine C,E und das Spurenelemente Selen zu nennen. Zusammen entfalten sie eine optimale Wirkung. 

Das Vitamin E kann die Entstehung entzündungsstützender Wirkstoffe mit Hilfe von Stoffwechselvorgängen verringern. Viele Patienten haben einen zu tiefen Plasmawert von Vitamin E, daher ist eine erhöhte Zufuhr von Vitamin E zu empfehlen. 

Vitamin C hat die Eigenschaft, im Zusammenspiel mit Selen Vitamin E Radikale zu verringern, sodass ineffektiv gewordenes Vitamin E in seine ursprüngliche Beschaffenheit zurück geführt werden kann. 

Selen ist ein Baustein des antioxidativen Enzyms Glutathionperoxidase und wirkt auf den Krankheitsverlauf ein. Das Spurenelement kommt aber überwiegend in tierischen Nahrungsmittel vor, daher ist es zu befürworten, dass der Bedarf entweder durch Nüsse, Fisch oder Selentabletten abgedeckt wird. 

Einfluss des Fastens

Fasten, der Verzicht von fester Nahrung über wenigstens eine Woche, kann ebenfalls die Schmerzen lindern. Beim Fasten wird nur flüssige „Nahrung“ zu sich genommen, bestehend aus Suppen, Säften , Tees und viel Mineralwasser. Der Patient muss für sich entscheiden, ob er in der körperlichen und mentalen Lage ist, eine Fastenkur zu machen. 

Bei dem sogenannten „Nullfasten“ ist der Cortisolspiegel erhöht, was zu einer Verbesserung der Symptome führt. Ein weiterer, positiver Nebeneffekt ist, dass das Körpergewicht verringert wird und somit die Gelenke entlastet werden. 

Bei einer Fastentherapie wird der Mensch als ein Ganzes mit Körper, Geist und Seele gesehen. Durch das Fasten wird nicht nur der Körper von Giften befreit und gereinigt, vielmehr ist es auch eine Phase der Meditation und Reflektion. Der Körper findet wieder zu seiner Energie. 

Durch das Fasten wird das Stoffwechselsystem des Körpers beeinflusst. Aufgrund seiner entgiftenden Auswirkung zeigt es bei rheumatisch-entzündliche Erkrankungen, im speziellen auch bei der rheumatoiden Arthritis, ein erkennbares und für die Gelenke erholendes Ergebnis. 

Medizinisch gesehen, wirkt sich eine Reduzierung von Kalorien positiv auf die Erkrankung aus. Die Symptome gehen nachweislich zurück, wenn Patienten über einen längeren Zeitraum gefastet haben oder sich an eine kalorienreduzierte Kost halten. 

Bei regelmäßig eingehaltenen Fastentagen oder Wochen, wird das Immunsystem angeregt und behindert mit seinem antientzündlichen Einfluss die Entzündungsanfälligkeit. Es ist bekannt, dass Fasten Wasser im Körper ausschwemmt, was wiederum zu einer besseren Nährstoffaufnahme sorgt. 

Gerade das Binde- und Fettgewebe erfährt die säubernde Wirkung dadurch, dass eingelagerte Stoffwechselprodukte ausgeschieden werden. Dabei handelt es sich um Abfallstoffe, die aus der Nahrung verarbeitet wurden. Ein zuviel an nicht benötigten Eiweißen, aufgenommen aus zu opulenter Nahrung, werden abgebaut, genauso wie schädliche Peptide, die sich bei Autoimmun-erkrankungen bilden und entzündliche Reaktionen bewirken. 

Das überflüssiges Eiweiß abgebaut wird ist natürlich gut, bei Patienten, die wenig Gewicht haben, sollte aber dann Eiweiß dennoch zusätzlich hinzugefügt werden. Die Dosis an Eiweißzugabe ist abhängig von der körperlichen Verfassung des Patienten. Hervorragende Eiweißlieferanten sind Fruchtsäfte, Buttermilch oder Honig. Während einer Fastenphase dürfen aber auch Mineralien, Spurenelemente und Vitamine nicht zu kurz kommen. 

Kapitel 9

Lifestyle – Leben mit Rheuma 

Rauchen ist schädlich. Dass ist nicht neu. Bei einer rheumatoiden Arthritis werden die Beschwerden durch rauchen häufig noch verschlimmert. Zudem belegen Studien, dass bei Rauchern eine rheumatoide Arthritis wesentlich öfter ausbricht als bei Nichtrauchern. Daher sollte das Rauchen unter zu Hilfenahme von Fachleuten und einer Suchttherapie möglichst gänzlich eingestellt werden. 

Durch das Rauchen wird die Erkrankung im Körper gesteigert und der Erfolg einer Therapie vermindert, nicht zu vergessen ist das steigende Arteriosklerose-Risiko. 

Bei dem Alkoholkonsum verhält es sich ähnlich: alkoholische Getränke können in überschaubaren Einheiten getrunken werden. Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass das Zellgift für die Leber schädlich ist, zumal immer Antirheumatika eingenommen werden. 

Bei Gichterkrankungen oder Osteoporose wirkt Alkohol schädlich. In geringem Maße ist Alkohol bei rheumatischen Erkrankungen erlaubt. Jedoch sollten 20 – 30 Gramm Alkohol täglich, dass entspricht etwa zwei Gläsern Wein beziehungsweise zwei Flaschen Bier, nicht überschritten werden, denn sonst wirken sie ungünstig aus. 

Aufgrund der schmerzenden Gelenke fällt es vielen Patienten schwer, sich körperlich zu betätigen. Die Muskeln verkleinern sich und das wiederum setzt den Grundumsatz herab. Energiereserven werden in Fettmasse umgewandelt. Auch wenn es schwer fällt, sollte mit körperlicher oder sportlicher Betätigung dem gegen gewirkt werden. Optimal sind gymnastische Übungen, Yoga, Schwimmen, Radfahren oder leichte Walkingeinheiten. 

Mundhygiene einhalten

Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass Entzündungen im Mundbereich Verbindungen zu Autoimmunerkrankungen haben. Rheumapatienten wird daher empfohlen, in regelmäßigen Abständen eine Zahnkontrolle und -reinigung durchführen zu lassen. Die tägliche Mundhygiene ist unabdingbar. 

Rheuma und Beruf

Über vier Million betroffene Personen in Deutschland leiden an Rheuma. Die Mehrheit ist noch berufstätig. Ungeachtet der gesundheitlichen Behinderungen sind sie in den verschiedensten Berufen tätig, beispielsweise in der Verwaltung, im Gesundheitswesen oder in handwerklichen Berufen. Das tägliche Arbeitspensum trotz Gesundheitseinschränkungen zu meistern obliegt einer Aufgabe, die für Rheumatiker manchmal nur schwer umsetzbar zu sein scheint. Stress und Überforderung sollte vermieden werden, der Arbeitsplatz so hergerichtet sein, dass ein langfristiges Arbeiten möglich ist. 

Arbeitsstelle

Für Rheumatiker, die an Gelenk- und Muskelerkrankungen leiden, sind Berufe mit starker körperlicher Anstrengung nicht geeignet, genauso wie Berufe, die ausschließlich im Freien stattfinden (Bauhandwerker, Gärtner). Berufliche Tätigkeiten im Büro bei denen sich Sitzen, Stehen und Herumlaufen abwechselt, sind bestens geeignet. 

Dienlich für Rheumatiker ist es auch, die körperlichen Beschwerden mit Hilfe von ergonomischen Arbeitsmitteln zu unterstützen. Solche Hilfsmittel bestehen in höhenverstellbaren Schreibtischen, die sehr angenehm sind, ergonomisch geformte Tastaturen und Mäuse für den Computer. Arbeitgeber können für diese Arbeitsplatzausstattungen Zuschüsse bei verschiedenen Trägern beantragen. Anfragen können gestellt werden bei: Renten- und Unfallversicherungen, Integrationsamt oder der Agentur für Arbeit.

Welche Folgen hat Rheuma im Arbeitsleben?

Das Geld zum Leben zu verdienen ist natürlich erforderlich und einen Beruf auszuüben für die meisten Menschen von großer Bedeutung. Sind die Gegebenheiten im beruflichen Alltag für den Arbeitnehmer befriedigend, wird auch die Arbeit an sich als sinngebend eingestuft, die Selbstsicherheit gesteigert und soziale Kontakte können vertieft werden. 

Für Patienten bedeutet es eine sinnvolle Arbeit auszuführen auch Ablenkung von den täglichen Problemen und Schmerzen und nicht ständig daran zu denken. Für viele ist die Arbeitsstelle ein täglicher wichtiger Anlaufpunkt an denen sie sich austauschen können und in kognitiver Hinsicht gefordert werden. 

Sobald jedoch Rheuma die Arbeit in irgendeiner Form behindert, sollte der Arbeitnehmer unbedingt mit Kollegen oder seinem Vorgesetzten sprechen und ihn informieren. In der Regel sind Hilfestellungen zu erwarten und zwar in der Form, als dass der Arbeitsplatz entsprechend umgestaltet wird oder Zeitrahmen für Projekte anders gestaltet werden. 

Erkrankte Personen, die an einer hochgradigen rheumatoiden Arthritis leiden und aufgrund dessen enorme Einschränkungen haben, sind berechtigt, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen. Schwerbehindertenausweise, die einen gewissen Grad der Behinderung ausweisen, beinhalten Rechte für die betroffenen Personen, dass sie beispielsweise vor Kündigungen geschützt sind und Ansprüche auf zusätzlichen Urlaub haben. 

Besonderheiten bei Rheuma:

Das Autofahren und die verbundenen Freiheit ist für viele Betroffene ein Thema, denn es bedeutet für sie Unabhängigkeit und Mobilität im Alltag. Dazu gehört auch, spontan zu Freunden zu fahren oder Beweglich zu bleiben, gerade dann wenn diejenigen auf dem Land wohnen. 

Die meisten Betroffenen sind noch in der Lage, mit Rheuma Auto zu fahren. Bei Fortschreiten der Krankheit, besteht zunehmen die Gefahr, dass beispielsweise der Schulterblick, Sicherheit beim Fahren, die Gänge schalten oder bei plötzlichen unerwarteten Situationen zu reagieren, immer schwerer fällt. Aber auch hier gibt es Möglichkeiten, es den Patienten zu erleichtern, indem gegebenenfalls weitere Spiegel am Auto angebracht werden um den Schulterblick zu vereinfachen. Ist die finanzielle Möglichkeit gegeben, kann ein Automatikwagen angeschafft werden, dies erleichtert enorm ein ständiges Schalten und Kupplung treten. Ein kompletter Umbau zu einen behindertengerechte Wagen ist zwar möglich, aber auch sehr kostspielig. 

Bisherige Fahreigenschaften verändern sich mit der Zeit. So wird darauf geachtet, dass nicht unbedingt im Berufsverkehr gefahren wird oder wenn es der betroffenen Person körperlich nicht gut geht. Ist der Erkrankte durch eine Gehbehinderung so stark beeinträchtigt, dass er Schwierigkeiten beim Gehen hat, sollte der Schwerbehindertenausweis den Zusatz „außergewöhnliche Gehbehinderung“ haben. Damit dürfen Betroffene auf eigens dafür gekennzeichnete Parkplätze nutzen. 

Wenn jedoch die Beschränkungen aufgrund des Rheumas zu weit fortgeschritten sind und man nicht mehr sicher durch den Autoverkehr kommt, ist es sinnvoll, über ein Beenden des Fahrens nachzudenken. Es obliegt im Verantwortungsbereich des Patienten was er sich noch zutraut und wie er mit den Einschränkungen umgeht. Sicherheit steht jedoch immer an erster Stelle und er hat auch eine Verantwortung anderen Verkehrsteilnehmern gegenüber. Heutzutage gibt es verschiedene Möglichkeiten, seine Fahrtauglichkeit zu testen oder kann sich an das Straßenverkehrsamt wenden, damit man beraten wird. 

Was bedeutet Rheuma für die Selbstwahrnehmung?

Überwiegend sind Frauen im jungen bis mittleren Alter von der rheumatoider Arthritis betroffen. Die, durch die Erkrankung einhergehenden Beschwerden, treten in einer Lebensphase auf, in der Freundinnen und Bekannte sich bester Gesundheit erfreuen. Für die betroffene bedeutet dies eine sehr hohe psychische Belastung. 

Junge Mütter machen sich Gedanken darüber, ob sie für den Partner oder die Kinder genügend sorgen können. Andererseits wird generell der Wunsch nach Kindern infrage gestellt. Eine Schwangerschaft trotz Rheumaerkrankung ist natürlich möglich, wichtig ist es aber zu wissen, dass nicht alle Präparate während oder vor einer Schwangerschaft verabreicht werden dürfen. Junge Frauen, die dennoch das Bedürfnis haben eine Familie zu gründen, sollten sich im Vorfeld mit einem Rheumatologen und Gynäkologen besprechen. Gleiches gilt für Männer, die Familien gründen möchten. Auch sie müssen für eine gewisse Zeit Medikamente reduzieren. 

Die meisten Frauen achten auf ihr Äußeres und die Ausstrahlung. Problematisch kann es bei der richtigen Schuhauswahl werden. Modisch aussehende Schuhe mit höheren Absätzen eignen sich nicht für Rheumatikerinnen, einfach aus dem Grund, dass die Schuhe nicht passen. Für Füße, die sich rheumatisch verändert haben, verlangen meistens nach orthopädischen Schuhen, die nicht unbedingt flott oder modisch auf dem neuesten Stand sind. 

Kaufen Frauen sich dennoch Schuhe, die ihnen zwar gefallen, jedoch keine Schuheinlage hineinpasst, befällt sie Unmut. Denn für die verformten Füße sind die Schuhe nicht gut und es kann auch weh tun, sie zu tragen. Sind auch Kniegelenke durch Rheumatismus verändert, vermeiden Frauen beispielsweise auch Kleider oder Röcke, der Midi-Mode. Durch die körperlichen Veränderungen fühlen sich Frauen nicht mehr anziehend genug, die Weiblichkeit wird zurück gedrängt. 

Männer hingegen haben meist damit zu kämpfen, dass die Schmerzen und der Kräfteverlust an ihnen zerrt und somit ihre Selbstwahrnehmung schwindet. Sich Schwäche einzugestehen und auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, ist für sie enorm schwer. Muss dann in solchen Phasen auch noch der Beruf aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben oder gewechselt werden, breitet sich Angst und Ungewissheit aus. Daher wollen Männer oft die Krankheit nicht wahr haben und verdrängen sie um das bisherige Leben weiter zu führen. Auch dies stellt für Männer eine psychische Belastung dar. Gar nicht so selten geraten Männer in Depressionen oder Aggressionen. 

Haben sich die betroffenen Personen mit der Zeit mit der Krankheit abgefunden, finden viele in ein neues, anderes Leben und sind in der Lage, persönliche Anforderungen neu zu ordnen und Ziele anzustreben. 

Bei fast allen Autoimmunerkrankungen gibt es immer wieder Phasen, die mal gut und auch mal minder gut verlaufen. Mal ist die Krankheit vordergründig, dann wiederum ist der Alltag wichtiger. Bei psychischen Belastungen sollten die Patienten sich nicht scheuen, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. 

Wie beeinflusst Rheuma die Partnerschaft und Liebesleben?

Ein weiterer, bedeutsamer Aspekt bildet auch die Partnerschaft und das Liebesleben. Veränderungen durch eine rheumatoide Arthritis wirkt sich nicht nur auf das tägliche Leben und den Beruf aus, vielmehr betrifft es auch die Partnerschaft und das Liebesleben von Partnern oder Ehepaaren. 

Durch diese Erkrankung müssen auch Zuständigkeitsbereiche neu aufgeteilt werden. Hierzu können Bereiche in der Haushaltsführung, Freizeitaktivitäten, geplante Urlaube und sogar die Rollenverteilung untereinander neu aufgestellt werden. Nicht an gemeinsamen Unternehmungen, Reisen oder aktiv im Sport zu sein, bedeutet für viele Unzufriedenheit und Rücksichtnahme im Umgang miteinander. 

Bei den Patienten schleicht sich dann das Gefühl ein, nicht von ihren Partnern verstanden zu werden und in solchen Situationen allein gelassen zu werden. Dies geht aber nicht nur den Betroffenen so. Familienangehörige müssen für sich selber erkennen, welchen Stellenwert diese Erkrankung hat – Belastungserscheinungen bleiben unter Umständen auch hier nicht aus. 

Eine Belastungsprobe für beide Seiten. Denn den Partner leiden zu sehen, Beschränkungen anzunehmen und darüber hinaus zusätzliche Aufgaben zu bewältigen, erweist sich als nicht immer leicht. Die Gefahr, dass Vorwürfe in den Raum gestellt werden ist groß, bringt aber nichts. Denn einen Schuldigen bei solch einer Krankheit zu suchen ist unfair. 

Paare sollten über die Erkrankung sprechen, ihre Besorgnis, Begierde und Bedenken äußern. Es kann sehr helfen, sich auszutauschen, damit gemeinsame Erfahrungen und Gedanken nachempfunden werden können. Gemeinsam können dann auch Überlegungen angestellt werden, welche Gepflogenheiten abänderbar sind, beispielsweise gemeinsame Unternehmungen frühzeitig planen, öfter Pausen bei kurzen Reisen einhalten und den Alltag neu sortieren. 

Rheumatisch entzündete Gelenke, anhaltende Müdigkeit und Bewegungsunfähigkeit sind Hindernisse im Liebesleben. Was für eine Partnerschaft eine weitere Hürde bedeutet. Die Bedürfnisse beider Seiten einzuschätzen und darüber zu reden ist sehr wichtig. Auch wenn die Lust bei Rheumapatienten in den Hintergrund tritt, wird es Tage geben, an denen sie ausgelebt werden kann. 

Veränderungen am Körper beeinträchtigen das eigene Körpergefühl. Dies gilt für Männer und Frauen. Einigen Patienten ist es unangenehm, angefasst zu werden, sie fühlen sich nicht attraktiv genug und wehren Liebeseinforderungen zurück. 

Einen Rückhalt finden Paare aber bei körperlicher Zweisamkeit und Zärtlichkeiten, die für die Menschen bedeutsam und angenehm sind. Sie sind sich dann auf einer intimen Ebene tief verbunden. 

Resümee

Rheumatismus ist und bleibt eine schlimme Erkrankung, die nicht nur ältere Menschen betrifft. Kinder und Jugendliche können genauso von der Krankheit heimgesucht werden und müssen lernen damit umzugehen. Nicht zu vergessen sind auch die Familienangehörige, die sich an die neuen Gegebenheiten anpassen müssen und sich erst einmal mit dem Krankheitsbild anfreunden müssen. In diesem Ratgeber sind aber einige gute Wege und Möglichkeiten aufgezeigt, zum einen mit der Krankheit an sich umzugehen und zum anderen den Alltag anders zu gestalten. Denn letztendlich ist Rheumatismus nicht heilbar, sonder kann nur abgemildert werden.