Was haben Fettsäuren mit Depressionen zu tun? Es gibt biomolekulare Zusammenhänge

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Depressionen
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Stimmungsschwankungen und depressive Verstimmungen sind bei vielen Menschen anzutreffen und häufig auf einen konkreten Anlass im persönlichen Umfeld oder auf wechselnde Jahreszeiten zurückzuführen.

Sie kommen unvermittelt, verschwinden aber auch wieder, ohne dass therapeutisch eingegriffen werden muss. In Deutschland leiden mehr als 5 Millionen Menschen an depressiven Störungen und Stimmungsschwankungen. So das Ergebnis einer aktuellen Schätzung. Klar von diesen depressiven Verstimmungen abzugrenzen ist die manifeste Depression als schwerwiegende seelische Erkrankung, die immer psychotherapeutische und ärztliche Unterstützung benötigt und mit Arzneimitteln oder Psychotherapie behandelt werden muss. Eine auf die Ursachen der Depression ausgerichtete spezifische Arzneimitteltherapie steht nicht zur Verfügung, auch deshalb nicht, weil die biomolekularen Abläufe bei einer Depression noch gar nicht im Detail erforscht sind.

Fettsäuren spielen eine bedeutende Rolle bei Depressionen

Die klassische medikamentöse Behandlung von Depressionen basiert auf der Erkenntnis, dass mit der Erkrankung der neuronale Botenstoff Serotonin aus dem Gleichgewicht geraten sei. Die als Antidepressiva verabreichten selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer sollen das Gleichgewicht wiederherstellen.

Allerdings ist eine Störung im Serotoninstoffwechsel mit Sicherheit nicht die einzige Ursache für depressive Erkrankungen. Auch Veränderungen im Stoffwechsel von Fettsäuren scheinen ursächlich mit der Entstehung von Depressionen verbunden zu sein. Dafür sprechen Beobachtungen, dass eine Minderversorgung mit bestimmten Fettsäuren, den Omega-3-Fettsäuren, mit einem erhöhten Risiko für Depressionen korrelieren. Ergänzend dazu gibt es Studien, die zeigen, dass eine ausreichende Versorgung mit eben diesen Fettsäuren oder deren zusätzliche Einnahme mit einer Risikoreduktion oder sogar Besserung der Symptome von Depressionen korreliert.

Hängen Serotonin Gleichgewicht und Fettsäuren also zusammen?

Eine aktuelle Studie unter Federführung von Neurophysiologen der Medizinischen Hochschule Hannover liefert Hinweise dafür. Danach kann der für die Wirkung von Serotonin entscheidende Rezeptor in den Nervenzellen nur dann richtig wirken, wenn er mit Palmitinsäure, einer langkettigen gesättigten Fettsäure eng verbunden ist. Fehlt diese Verbindung, kommt es zu depressiven Störungen, wie Untersuchungen im Tierexperiment und am Nervengewebe Verstorbener gezeigt haben. Ob damit die Ursache für Depressionen gefunden wurde, darf bei dem sehr komplexen Krankheitsbild bezweifelt werden.

Wahrscheinlich gibt es auch auf molekularer Ebene mehrere Auslöser und Trigger psychischer Störungen. Allein die Fettsäuren könnten an mindestens zwei unterschiedlichen neuralen Mechanismen beteiligt sein. Da wäre Palmitinsäure, eine gesättigte Fettsäure mit 16 Kettengliedern, die den Serotonin-Rezeptor aktiviert und die ungesättigten Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA mit 20 bzw. 22 Kettengliedern, die Membranen von Nervenzellen stabilisieren und für die Impulsweiterleitung mit verantwortlich sind. Werden Nervenzellen nur unzureichend mit gesättigten wie auch ungesättigten Fettsäuren versorgt, steigt nach aktuellem Wissensstand das Risiko für Depressionen. Ob sich aus dieser Erkenntnis auch therapeutische Fortschritte ergeben, ist vor dem Hintergrund der mit potenziell schweren Nebenwirkungen belasteten Antidepressiva wünschenswert aber noch offen. Bis heute ist kein therapeutischer Ansatz bekannt, wie bei Betroffenen mit Depressionen die Funktionalität des Serotonin-Rezeptor durch die Fettsäure Palmitinsäure verbessert werden könnte. Deutlich mehr wissen wir über die Bedeutung von Omega-3-Fettsäuren für Depressionen. Nach einer sehr umfangreichen Studie aus Spanien kann der moderate Verzehr von fettem Fisch, der etwa 0,5 bis 1g Omega-3-Fettsäuren täglich entspricht, das Risiko für Depressionen senken.

Fazit

Fettsäuren sind auf molekularer Ebene an Entstehung und Vermeidung von Depressionen beteiligt. Sie können die normale Funktionalität von Nervenzellen und Serotonin-Rezeptor gewährleisten. Der tägliche Verzehr von Fisch oder Omega-3-Fettsäuren kann helfen, Depressionen zu vermeiden. Über den genauen molekularen Wirkmechanismus ist noch wenig bekannt.

Quelle: Gorinski N et al. Nat Commun. 2019 Sep 2;10(1):3924. doi: 10.1038/s41467-019-11876-5.
Sánchez-Villegas A et al. Nutrients. 2018 Dec 18;10(12). pii: E2000. doi: 10.3390/nu10122000.