All-American-Burger oder doch lieber Veggi – Ernährungsempfehlungen stehen auf wackligen Beinen

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Gesunde Ernährung, Fast Food, Burger, Vegan,
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Was müssen sich Normalesser nahezu täglich alles anhören. Prasseln doch laufend gut gemeinte Ratschläge auf sie ein, die neue Empfehlungen für eine gesunde oder auch nur vermeintlich gesunde Ernährung propagieren. Absender dieser Empfehlungen sind häufig Fachgesellschaften, aber auch Gurus oder schlicht Geschäftemacher. Ist es für den Normalesser schon eine Herausforderung immer auf dem aktuellen Stand der Empfehlungen zu bleiben, so ist es fast unmöglich, deren Validität und Seriosität richtig einzuschätzen. Eine Analyse von wissenschaftlichen Untersuchungen zum Ernährungsverhalten Erwachsener in den Industriestaaten hat gezeigt, auf welch wackligen Beinen daraus abgeleitete Ernährungsleitlinien stehen.

Empfehlungen zum Fleischverzicht sind wissenschaftlich schlecht begründet

Es gilt als feststehende Wahrheit, dass der Verzehr von Fleisch, speziell rotem Fleisch gesundheitsschädlich sei. Viele wissenschaftliche Studien bestätigen das scheinbar. Korreliert doch in diesen Beobachtungsstudien der Verzehr von viel rotem Fleisch und verarbeitetem Fleisch wie Wurst und Schinken mit einem erhöhten Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen. Nur einige wenige Studien zeigen keine Korrelation auf. Ein Team von Wissenschaftlern aus mehreren Ländern hat nun alle publizierten Studien analysiert und gemeinsam in einer Meta-Analyse ausgewertet, um damit die Aussagekraft der Studienergebnisse zu erhöhen und auf dieser fundierten Basis begründete Ernährungsempfehlungen auszusprechen. So stand bei dieser Auswertung nicht so sehr die Frage im Mittelpunkt des Interesses, ob eine Korrelation zwischen Fleischkonsum und Erkrankungsrisiko statistisch signifikant ist, sondern die relevante Frage, wieviel Todesfälle durch den teilweisen Verzicht auf Fleisch verhindert werden könnten. Für einen Zeitraum von gut 10 Jahren kann der Verzicht auf Fleisch und verarbeitetes Fleisch bezogen auf 1000 Personen das Risiko an Diabetes zu sterben um 6-12 Fälle reduzieren. Bei Herzkreislauferkrankungen sind es 4 Fälle und bei Krebserkrankungen 7-8 Fälle. Grob kalkuliert beträgt der Nutzen des Fleischverzichtes also etwa 1 Promille pro Jahr. Der Gesundheitsnutzen aus dem Verzicht auf Fleisch und Wurst ist also marginal. Deshalb lautet die Empfehlung der Wissenschaftler, die eingefahrenen Essgewohnheiten von Fleisch und Wurst nicht zu ändern, da der zu erwartende Nutzen bei hohem Aufwand und viel Frust eher gering sein wird. Ist dieses Ergebnis nun wirklich so revolutionär? Eigentlich nicht, wenn man berücksichtigt, was wir Menschen biologisch betrachtet sind. Wir sind Omnivore (Allesfresser) deren gesamter Stoffwechsel auf den Verzehr von Fleisch, Fisch, Obst, Gemüse und Getreide ausgerichtet ist. Wenn wir Menschen also genau das tun, worauf unser Stoffwechsel im Laufe der Evolution optimiert wurde, sich also ausgewogen von allem zu ernähren, kann das nicht schädlich sein. Vor diesem Hintergrund ist die Empfehlung der Forscher das Ernährungsverhalten nicht zu ändern richtig und nachvollziehbar. Natürlich gibt es Ausnahmen, so sollte jemand mit ernährungsbedingten Erkrankungen oder Diabetes seine Ernährung an die Erfordernisse der Erkrankung anpassen. Gleiches sollten sich extreme Fast Food Liebhaber oder Veganer überlegen.

Fazit: Der Verzicht auf Fleisch als Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung bringt praktisch keine gesundheitlichen Vorteile. Es ist vernünftig das breite Spektrum der zur Verfügung stehenden Nahrungsmittel ausgewogen zu nutzen.

Quelle: Johnston, B. C. et al. Ann Intern Med. 2019. DOI: 10.7326/M19-1621